Koer Kulinarik & Bar

Besucht im Juli 2025
Abendessen
Bewertung: ein Michelin Macaron

Die Spatzen pfiffen es ja schon von den Dächern, dass hier versucht wird, einen Stern im Michelin zu bekommen und mit der kürzlich erfolgten Annoncierung der neuen Bewertungen hat es tatsächlich geklappt. Dies ist nun neben dem Zeik schon das zweite besternte Restaurant in Gehweite von unserem Hamburger zuhause und dann muss man da ja Mal hingehen, um sich ein Urteil zu machen. Das Ganze ist so neu, dass die Michelin-Plakette noch nicht an der Tür klebt.
Hier wird eine Überraschungsmenü angeboten, auf der Website sind nur Beispielmenüs zu sehen. Das hat bei einer grösseren Gruppe von fünf Personen umfangreiche Bekanntgabe der Vorlieben und Unverträglichkeiten zur Folge, was auch gut geklappt hat.
Zu Beginn bestellten wir aus der Bar, u.a.

PN Spritz | Grapefruit | Wein | Campari | ‘Sonic’
Kœr Cocktail | Waldmeister | Zitrus | Verjus | Riesling
Plus ein alkoholfreier Cocktail
Zwei Gäste nahmen einen Brut Pinot Rosé Barth, Hattenheim

Am Tisch wurde dann doch das Menü bekanntgegeben, sodass der passende Wein aus der sehr fair bepreisten Weinkarte zum Menü ausgesucht werden konnte. Es wurde wegen des überwiegenden Fehlens von dunklem Fleisch ein Weisswein, nämlich ein

2022 Ried Rossatz Federspiel Gr. Veltl. Frischengruber, Wachhau

Einstimmung & Brot
Praline I Crustade I Krapfen

Vegetarischer Foie Gras-Ersatz unter Verwendung von Fenchelsaat, Nussgelee auf einem Haselnusscracker
Textur und Geschmack ähnlich, aber ich habe schon bessere Versionen gegessen, z.B. Noix Gras aus der Rose in Rüschlikon.

Warmer Krapfen, der Zwiebelkuchen zum Thema hatte. Die Füllung bildete tatsächlich den Geschmack von Flammkuchen perfekt ab. Schmand und Dill wurden zum Finish verwendet. Ganz hervorragend und das Beste aus dem Snack-Trio.
Crustade gefüllt mit Pilzcrème, Pilzen und geröstetem Buchweizen. Ein schöner Umami-Snack, leicht süsslich mit Crunch vom Buchweizen.

Kartoffelbrot I Nussbutter I Raps

Sauerteigbrot mit aufgeschlagener Nussbutter, Lauchöl und in dem Fläschchen selbstgepresstes Rapssaatöl. Das war so gut, dass wir davon auch nachbestellt hatten.

Auster
Haselnuss I Sellerie

Auster von tadelloser Qualität mit Haselnuss und Sellerie als Kondimente. Hätte vielleicht vorgeschnitten werden können. So musste man die recht grosse Auster in einem Happs nehmen.

Gebeizte & Geflämmte Makrele
Aus Dänischer See
Kohlrabi I Rhabarber I Hühnerhaut

Gebeizte und geflämmte Makrele, eingelegte Kohlrabischeiben, Hühnerhautchip, Rhabarbersud. Es liegt in der Natur der Hauptzutat, dass das Ganze sehr Makrelig schmeckt. Die Mitspieler passten gut dazu, besonders die Säure des Rhabarbers hätte ich nicht missen mögen.

Erbse
Als Flan, Frisch & Sud
Pfifferlinge I Holunderblütenschaum

Auf einem Erbsenfan war eine Scheibe gelierte Pfifferlinge angerichtet. Umgeben war dies mit ganzen Pfifferlingen, Erbsen einem Holunderblütenschaum und einem intensiven Erbsensud. Die Süsse der Erbsen ist diesem Gericht natürlich immanent. Das Umami der Pfifferlinge gibt nur leicht Gegensteuer. Im Ganzen schmeckte es aber sehr gut.

Rote Beete
Geräucherte Butter I Rehschulter I Mandel I Kirschblüte

Stücke der konfierten Beete, Schalotten und Streifen von Rehschulter-Pastrami waren mit geräucherter Nussbutter umgeben und mit einem Kirschblütenschaum überschichtet. Dies war eine ziemlich ausgewogene Komposition. Die Erdigkeit der Beete war nicht im Vordergrund und besonders die Räucheraromen setzten einen interessanten Akzent. Sehr gutes Gericht.

Zwei Zusatzgänge:

Vogelberger Wagyu aus Hessen
Sellerie I Haselnuss I Preiselbeere

Wagyu, gebrannte Sahne, Rinderjus und ein hausgemachter Preiselbeerkompott bildeten dieses Gericht, welches von einigen Gästen der Runde als Ersatz für die Makrele und von anderen als Zusatzgang vor dem Hauptgang geordert wurde. Ich selbst hatte es weder gegessen noch probiert, es soll aber sehr gut gewesen sein.

Kaisergranat
Spitzkohl I Traube I Kümmel

Auf geröstetem Spitzkohlsalat, mit Traubenmarmelade und Kümmelschaum. Tolles Produkt, interessante Zubereitung, sehr guter Meeresfrüchte-Gang.

Ohne Foto

Fischbrötchen
Wels I Brioche I Apfel

Unagi-Style mit Apfel-Zwiebel-Marmelade. Man hatte tatsächlich ein bisschen den Eindruck, man isst ein kleines Aalbrötchen.

Fang des Tages
Gemüse der Saison I Blumenkohl I Kombu-Alge I Zitronen-Thymian-Sud

Kabeljau, Radieschen, Karotte, Blumenkohl auf Blumenkohlcrème, Kombu-Algen-Kompott. Das war nicht schlecht, und alles sorgsam zubereitet, aber vielleicht in der Zusammenstellung nicht ganz auf dem Level von vielen anderen Gängen in diesem Menü. Was ich damit sagen will: Das könnte man auch in einem Restaurant mit gehobener gutbürgerlicher Küche bekommen.

Kirsche
Shiso

Kirschsorbet, Kirschmousse, eingelegte Kirsche, frittiertes Shiso-Blatt, Shiso-Öl. Das Pré- Dessert mit seinen nur zwei Zutaten und dem reduzierten Stil gefiel mir dann wieder sehr gut.

Savarin
Hafer I Erdbeere I Kräuter

Hafer-Hefe-Savarin, Hefe-Ganache, Kräutersorbet, Erdbeere, Erdbeer-Essig-Sud
Auch das eigentliche Dessert konnte sich sehen lassen. So ein Kräutersorbet ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber in der Kombination mit dem Gebäck und der Ganache passte es sehr gut.

Keine Mignardises.

Fazit

Highlights auf dem Teller: bei den anderen Gästen Wagyu, bei mir Krapfen, Erbse und Beete, Pré-Dessert. Teilweise recht unkonventionelle Ideen, was es spannend macht.
Recht eng gestellter Gastraum. Öffnung der Fensterfront den ganzen Abend während des Hamburger “Hochsommers” eher grenzwertig.
Netter, lockerer Service

Website des Restaurants: Koer Kulinarik & Bar – Restaurant – Hamburg

Widder Restaurant Zürich 2

Besucht im Juli 2025
Mittagessen
Bewertung: Zwei Michelin Macarons

Zu einem besonderen Anlass genossen wir in einer Gruppe von 9 Personen die Widder Lunch Experience. Die Auswahl der Hauptgerichte meldeten wir vorher an, so dass das Küchenteam es leichter hatte, alles für uns zuzubereiten. Die Einstimmung, der erste Gang der Vorspeisen, ein Hauptgericht, die Pastete, und der süsse Ausklang waren gleich, wie bei der Vorbereitung die Woche davor, sodass ich für Fotos und Beschreibung auf den entsprechenden Bericht verweisen möchte.
Ich hatte vorher die Weinkarte studiert und zwei Flaschen Wein, einen weissen und einen roten ausgewählt. Der Sancerre passte mit seiner Mineralik sehr gut zu den Fisch- und Meeresfrüchte-Vorspeise. Der Amarone war zumindest für das Reh und die Pastete ein idealer Begleiter, passt zu diesen Speisen doch auch ein kräftiger Rotwein.

EINSTIMMUNG

FRANZÖSISCHE FREILANDENTE
Bao Bun | Entenleber | knusprige Haut

BROT und AUFSTRICHE
Sauerteigbrot I Roggen I Fenchel
Buttermilch I Salsiz I Röstzwiebeln
Butter I Pfeffer I Fleur de Sel

Siehe Bericht von letzter Woche.

VORSPEISEN
Weinbegleitung: Sancerre Le Rochoy 2022 Sauvignon Blanc Domaine Laporte, Loire, Frankreich
BALFEGO THUNFISCH
Oliven | Senf | Kräuter
Siehe Bericht von letzter Woche.

KANADISCHER SEEIGEL
French Toast | Aioli | Prunier Oscietra Kaviar

Besonderer Service für den Gast, welcher seinen Anlass hier feierte. Zur Beschreibung sei auf den Bericht eines vergangenen Besuchs hier hingewiesen.

Diese Vorspeise wurde auf zwei Tellern serviert. Zu einen gab es einen im Bric-Teig ausgebackenen Gambero mit einem Grapefruitgel?, das angenehme Säure beisteuerte. Das schmeckte wirklich ganz hervorragend.
Auf dem anderen Teller waren drei Gamberi Rossi aus Sizilien mit verschiedenen Mitspielern und auch einigen gefrorenen Perlen angerichtet. Am Tisch wurde eine Vinaigrette angegossen, die mit Tomate, Limette und Kaffirblättern zubereitet worden war. Dies war gut kombiniert, aber hatte für mich ein Problem, welches nichts mit der Qualität der Zutaten oder der Zubereitung zu tun hatte. Ich mag einfach keine rohen Garnelenartigen. Diese geben im Mund zerkaut eine schleimige Anmutung und das finde ich nicht sehr angenehm. Vielleicht sollte ich rohe Zubereitung von Garnelen-artigen bei den Unverträglichkeiten für mich aufnehmen…

BREMGARTEN SAIBLING
Fenchel | Sauce Bérnaise | Beurre Blanc

Nun gab es eine Vorspeise mit einem Süsswasserfisch, die klassisch Französisch und nicht asiatisch oder mediterran zubereitet war. Das Stück vom Saibling, platziert auf einem Fenchelragout, stellte Spitzenqualität und tadellose Zubereitung zur Schau. Geschmack und Konsistenz mochten begeistern. Zwei weiter Fenchelzubereitungen, eine Fenchelcrème und die Fenchel-Beurre Blanc passten ideal dazu. Hell dazwischen gab es noch eine Hollandaise.
Fertiggestellt wurde das Ganze noch mit einem Chip, auf dem sich Saiblingsrogen befand. Für mich war dies eines der Highlight des Menüs.

HAUPTSPEISE

Weinbegleitung: Amarone della Valpolicella 2018 Riserva di Costasera, Azienda Masi, Valpolicella, Italien

ATLANTIK ROTBARBE
Artischocke | Rouille | Sherry Escabèche
SOMMERREH AUS TIROL
Zwiebel | Pfifferlinge | schwarzer Trüffel
PASTETE VON KALB & ENTENLEBER
Zwiebel | Pfifferlinge | schwarzer Trüffel

Eingelegte in der Pfanne geschwenkte kleine Zwiebeln, Röstzwiebeln und Pfifferlinge waren die Beilagen für alle drei Hauptgerichte. Jedes Gericht wurde mit gehobeltem Australischen Sommertrüffel verfeinert (nicht im Bild). Es gab niemanden, der sich über irgendetwas bei den Hauptgerichten beschwerte. Es schmeckte allen sehr gut.

DESSERT

JAPANISCHE YUZU
Haselnuss | Buttermilch | Ingwer

Ich bin sehr froh gewesen, dass dieses Dessert aus dem momentanen Angebot Teil des Menüs war. Genau dieses hätte ich mir als Fan der Japanischen Bitterzitrone ausgesucht.
Auf einer Haselnusscrème waren ein Yuzu-Sorbet und kandierte Haselnüsse angerichtet. Umgeben war das Sorbet, von Meringue-Scheiben und Haselnuss-Tuiles. Am Boden des Tellers gab es noch Buttermilchcrème und eine Yuzu-Ingwer-Sauce war angegossen worden.
Ein Spitzendessert mit einer besonderen Harmonie der Zutaten.

SÜSSER AUSKLANG

Canelé | geeiste Zitronentarte I Bananasplit

Siehe Bericht von letzter Woche.

Fazit

Glückliche Gesichter nach dem Menü in der ganzen Runde, was will man mehr. Einmal mehr konnten wir uns vom Können der Küchenmannschaft, der Gastfreundschaft des Serviceteams und dem angenehmen Ambiente rund um den Chef’s Table überzeugen.

Webseite des Restaurants: Widder Restaurant – Widder Hotel – Zurich’s Luxury Hideaway

Widder Restaurant Zürich

Besucht im Juli 2025
Mittagessen
Bewertung: Zwei Michelin Macarons

Im Rahmen der Vorbereitung eines grösseren Team-Mittagessens kehrten wir zu viert hier ein. Der Chefs Table war an diesem Freitag frei, sodass wir an ihm Platz nehmen konnten. Nach einer herzlichen Begrüssung durch den Service und den Chef de Cuisine, Herrn Heilemann, entschieden wir uns für zwei à la Carte Gerichte, eins aus den “Empfehlungen des Chefs” und ein weiteres, das zum Zeitpunkt unseres Besuchs als Hauptgang auf der Menükarte des Abendessens zu finden war. Je ein Glas Wein, produziert vom Hotelketten-eigenen Weingut, genehmigten wir uns ebenfalls. Die Gläser wurden mittels des Coravin-Systems befüllt.

Los ging es mit Einstimmungen, die jeweils unseren Vorlieben Fleischlos und Koriander-frei angepasst wurden.

Diese Zusammenstellung, sozusagen eine Produktschau der Ente, ist ein Klassiker von Stefan Heilemanns Team.
Auf einem Entenhautchip ist gehobeltes getrocknetes Entenfleisch aus der Brust mit ein paar Mitspielern in Form von Gel, Spitzkohlcrème, Entenlebermousse und Kräutern angerichtet und entfaltet pures Umami im Mund.
Die Entenleber mit Dattelcrème und Räucheraal zwischen den karamellisierten Crackern offenbart ein schönes Texturspiel zwischen deren Knuprigkeit und der Cremigkeit der Leber.
Der Bao Bun ist mit gezupftem Entenfleisch aus der Keule gefüllt, welches mit einem Massaman-Curry gebunden ist. Obenauf findet man ein bisschen Crumble, Koriandercrème und eine halbe Cashew. Für mich wurde die Koriandercrème durch eine etwas Hellere ersetzt. Der Bun gefiel mir heute ausserordentlich gut, da das Verhältnis Teig zu Füllung im Vergleich zum letzten Mal optimiert wurde und die Füllung sehr gut ausbalanciert war mit einer leichten Schärfe im Abgang.

(Bao Bun) | Polenta Cracker | Tomaten Tartelette

Für den Nicht-Fleisch-Esser gab es die Einstimmungen aus dem vegetarischen Menü. Diese bestanden aus einem Polenta Cracker mit Aioli und Patinaken-Crème, einer Tartelette mit Tomatencrème und gehobeltem Tofu und einem äusserlich gleich aussehenden Bao Bun, in dem das Entenfleisch durch eine Zubereitung aus gemischten Gemüsen ersetzt worden war. Der Gast war begeistert.

Brot und Aufstriche

Warmes Sauerteigbrot mit Roggenanteil und Fenchelsaat vom Bäcker Imholz aus Adliswil, Fleur de Sel, Salzbutter mit Pfeffer, aufgeschlagene Buttermilch mit Schnittlauchöl, Röstzwiebeln und gehobelter Luft-getrockneter Salsiz von Rindern vom eigenen Hof der Hotelkette. Auch der Brotservice wusste zu überzeugen und gefiel der Runde deutlich besser als derjenige aus anderen Etablissements. Speziell die Buttermilch-Zubereitung war sensationell. Ein Alternative ohne Wurst wurde dem entsprechenden Gast serviert.

BALFEGO THUNFISCH
Oliven | Senf | Kräuter

Das Amuse Bouche, Tatar von Akami, dem mageren Fleisch aus dem Rücken des Thunfischs, war mit Scheiben der grünen Olive, roten Zwiebelstreifen, Forellenkaviar und zwei Sorten geeisten Perlen von Senf und Kräutern angerichtet worden. Umgeben war das Ganze von einer Thunfischcrème, sodass man es quasi als Tonno Tonato betrachten könnte. Wenn immer Stefan Heilemanns Team etwas mit der Spitzenqualität Balfego-Thunfisch zubereitet, bin ich begeistert von dem, was komponiert wird. So auch hier. Liest man Senf und Olive, könnte man meinen, dass diese Komponenten die Hauptzutat in den Hintergrund drängen könnten. Dieses kleine Meisterwerk ist aber so gekonnt austariert, dass alles seinen geschmacklichen Platz hat, perfekt zusammenspielt und so höchsten Genuss garantiert. Die geeisten Perlen, auch so eine Signatur von Stefan Heilemann, sorgen dabei mit ihrer kühlen Temperatur für einen speziellen Kick.

GANZER STEINBUTT GEFÜLLT MIT LANGOUSTINOS
Tom Yum | Fried Rice | spicy Gurkensalat
2023 Chardonnay Il Castagneto, Cantina alla Maggia Tessin, Schweiz

Ich hatte schon lange darauf gewartet, dies einmal probieren zu können und nun war es soweit – den mit Langoustinen gefüllten handgeangelten Steinbutt aus Portugal. Mit Langoustinen war tatsächlich Kaisergranat gemeint, was mir auf Nachfrage bestätigt wurde. Man konnte in der Küche gut beobachten, wie die Kasserolle mehrfach ihren Platz zwischen Pass und Ofen wechselte und einige Male die Innentemperatur kontrolliert wurde. Nachdem der Inhalt der Kasserolle nach dem Fertiggaren präsentiert wurde (1. Bild), beobachtete ich dann das “Putzen” und Anrichten neben dem und am Pass. Die “Beilagen” kannte ich ja schon von einem Besuch letzten November. Damals war dies Teil eines Menüs und wir mussten leider einen Grossteil in die Küche zurückgehen lassen, da es im Gesamtkontext einfach zuviel war. Heute konnte ich es komplett geniessen. Ich habe die Beilagen in Anführungsstriche gesetzt, weil der Begriff nicht dem gerecht wird, was serviert wird. Jedes der Schälchen des Potpourris auf dem zweiten Bild kann als Gericht für sich alleinstehen. Den Fried Rice mit einer Extraportion Garnelen obenauf, den sensationellen Thai-Style Gurkensalat und auch die Tom-Yum-Suppe/Sauce, die ordentlich Säure beitrug, kann man meiner Meinung nicht besser machen. Der Hauptteller, zu sehen auf dem 3. Bild, kam so fertig angerichtet an den Tisch und der Chef rieb frische Kaffirlimettenschale darüber, die ihren charakteristischen Geruch sogleich über den ganzen Tisch verbreitete. Wir teilten uns das Gericht, das für zwei Personen auf der Karte steht, zu dritt und waren hinterher satt. Ich hatte ein Extraschälchen Reis, das ohne Koriander angerichtet worden war.

PASTETE VON KALB & ENTENLEBER
Zwiebel | Sommer-Steinpilz | schwarzer Trüffel
2020 Merlot Ascona Riserva, Cantina alla Maggia, Tessin, Schweiz

Der vierte Gast am Tisch entschied sich für die Pastete, deren Farce Entenleber und Kalbsbries umschloss. Zwiebel und Pilze trugen zu einem weiteren Umami-Boost bei und als Finish rieb der Chef persönlich Australischen Sommertrüffel über das Gericht. Der Esser war mit diesem Gericht sehr zufrieden und erwähnte insbesondere, dass der Lebergeschmack nicht dominierte.

SÜSSER AUSKLANG
Canelé | Tonkabohne | Passionsfrucht
Geeiste Zitronentarte
„André’s Bananasplit“

Für ein Dessert war kein Platz und keine Zeit mehr, sodass die Mignardises allein den süssen Ausklang bildeten. Alle drei gefielen.

Fazit

“Warum hast Du uns nicht schon früher hierher gebracht?” Gibt es ein grösseres Kompliment für die Küche? Ich denke nein. Wir sind als Team ja schon in einigen hochkarätigen Restaurants gewesen und hatten immer etwas zu meckern, wenn auch auf hohem Niveau. Heute waren auch die kritischsten Esser still zu diesem Aspekt.

Website des Restaurants: Widder Restaurant – Widder Hotel – Zurich’s Luxury Hideaway

Restaurant Auerhahn Schluchsee

Besucht im Juni 2025
Abendessen
Bewertung: nicht bewertet

Jetzt nach einiger Zeit und nach der Neueröffnung des ganzen Hotels wollten wir Mal wieder in den Auerhahn essen gehen. Das Fine Dining Restaurant ist eigentlich nur für Hotelgäste geöffnet, auf Anfrage kann man aber auch als Externer dort essen gehen. Nach einem Aperitif im Wintergarten wurden wir ins Restaurant geleitet, welches mit seiner Schwarzwälder Stilistik an die der Brasserie anknüpft, die ja in der Pop-Up-Phase als Restaurant genutzt wurde. Hotelgäste, die einen Aufenthalt von einer Woche buchen, können hier jeden Abend ein anderes Menü geniessen. In der Woche darauf wiederholen sich die Tagesmenüs wieder, bis saisonal komplett gewechselt wird. Es gibt von jedem Menü jeweils auch ein vegetarische Variante.
Heute Abend entschieden wir uns auch für die Weinbegleitung.

Einstimmung

Los ging es mit einer warmen Maispraline, Avocadocrème und Erdnuss. Eine Tartelette mit eingelegter Gurke und Sellerie, einer Ponzumarinade und Gartenkresse komplettierte das Duo.
Die Maispraline war gut, das Tartelette noch besser.

Sauerteigbrot, Meersalzbutter, Honig, Kräuteröl

Sehr gutes Brot und eine fluffige Butter mit add-ons waren so gut, das mehrmals nachgeliefert wurde.

Cremige Landkartoffel I Eigelb I Zwiebel
Weinbegleitung: 2023 Grüner Veltliner Bäuerl, Wachau Österreich

Der erste Gang kombinierte Kartoffel und Gurke mit konfierter Eigelbcrème, Schmand, und einem Gurken-Dashi Sud.
Die Konsistenz der Kartoffelzubereitung überraschte, war sie doch fast wie Püree. Den Geschmack würde ich am ehesten wie Omas Berliner Kartoffelsalat beschreiben. Die Eigelbcrème passte sehr gut dazu. Der Sud war eher auf der sauren Seite, wurde aber gut durch den schön dazu passenden Wein neutralisiert.

Gegrillter Lauch I Gribiche I Kalbskopf
Weinbegleitung: 2024 Sauvignon Blanc, Landerer, Oberrottweil Kaiserstuhl Deutschland

Der schwarz gegrillte Lauch war von seinen Aussenblättern befreit und wurde warm serviert. Er bildete die Basis unten auf dem Teller. Die Garmethode verleiht ihm eine einzigartige Konsistenz. Marinierte Kräuter, die hervorragende Sauce Gribiche, getrocknetes geriebenes Eigelb und eine Soja Vinaigrette trugen dazu bei, dass dieser Gang ganz phantastisch schmeckte.
Der Wein gefiel uns ebenso sehr gut und ist auch zum allein trinken geeignet.

Geschmorter Kohlrabi I Rindertee I Kräuter
Weinbegleitung: 2022 Mâcon-Bray “La Montagne”, Chardonnay, Pierre Boisson, Burgund Frankreich

Im Vergleich zum Gericht davor war hier die Aromatik sanft und eher zurückhaltend. Die weichen Kohlrabistreifen waren leicht süss sauer eingelegt. Unten drunter befand sich eine Kräutermayonnaise, obenauf noch Kräuterpulver.

Sanft gegarte Maischolle I Romanaherzen I Spargel
Weinbegleitung: 2022 Riesling “Quarzit”, P.J. Kühn Rheingau Deutschland

Das Schollenfilet war zu einer Rolle geformt, welche mit einer Räucherforellenfarce gefüllt war. Darunter befanden sich gegrillte Romanasalatherzen, obendrauf Schlaufen von eingelegtem weissen Spargel. Dazu gab es eine Spargel Beurre Blanc.
Ein gutes Kartoffelpüree mit Röstzwiebeln wurde dazu gereicht. Sehr schön komponiert und sehr wohlschmeckend. Fanden wir für ein Hauptgericht im Juni eher ungewöhnlich, aber es gefiel uns gut.

Sauerkirsche I Mandel I Kardamom
Weinbegleitung: 2004 Vinsanto, Hatzidakis, Santorini, Griechenland

Mandelgebäck gefüllt mit Sauerkirsch-Kompott, weisse Schokoladen-Sahne-Mousse, geröstetes Mandelcrumble, Sauerkirschsorbet und eine Hippe bildeten dieses Turmförmige Dessertkonstrukt. Dazu wurde ein Sauerkirsch–Sud angegossen. Ein gutes Dessert.
Der griechische Vinsanto dazu war eher ungewöhnlich und zeichnete sich durch ein recht intensives Pflaumenaroma aus. Das war eher ein Kontrapunkt zum Dessert mit einem anderen Fruchtaroma. Vielleicht hätte hier ein Recioto mit Kirsch- und Brombeergeschmack besser gepasst. Für sich allein war der Vinsanto allerdings gut.

Ausklang

Baba au Amaretto Alkoholfrei – einfach aber gut.

Fazit

Die Küchenleistung von Yann Bosshammer und seinem Team bewegt sich immer noch auf dem Niveau, wie wir es bei unseren diversen Pop-Up-Besuchen erlebt haben. Das ist sehr erfreulich.
Heute konnte auch die Weinbegleitung überzeugen. Das waren alles gute Gewächse, die überwiegend zu den Speisen passten und teilweise auch wert sind, allein getrunken zu werden. Lena Knäbel meistert den Service souverän. Einige Gerichte wurden von Herrn Bosshammer auch persönlich serviert. Wir kommen bestimmt wieder.

Website des Restaurants: Hear the call!

Eden Kitchen & Bar Zürich

Besucht im Juni 2025
Abendessen
Bewertung: Ein Michelin Macaron

Das Eden Kitchen & Bar im Hotel La Reserve am Utoquai bietet eine gute Gelegenheit; Gerichte hochstehender Qualität à la Carte zu essen. Dies habe ich mit einem Gast wieder einmal genutzt. Nach einigen Cocktails, ich hatte einen sehr schön zitronigen Amalfi Gimlet, wählten wir dann je eine Vorspeise und einigten uns darauf, ein Hauptgericht zum Teilen zu nehmen. Eine Flasche Weisswein suchten wir uns zum Essen auch noch aus. Los ging es mit einigen Snacks.

Von links nach rechts:
Falscher Habanero gefüllt mit Thunfisch-Kapern-Mousse und Oxalisblatt
Tartelette mit Liebstöckelcrème, weissem Spargel und Trüffel
Kartoffel-Millefeuille mit Rindstatar, Limetten-Mayonnaise und Ossietra-Kaviar

Die drei Snacks waren alle gut. Beim Millefeuilee dominierte die Kartoffel etwas zu sehr, sodass die anderen Zutaten im Geschmack etwas untergingen.

Als nächstes wurden eine Brotselektion und gutes Olivenöl aus Sizilien serviert.

Schöne Foccaccia, Pergamentbrot und hausgemachte Grissini bildeten ein Trio. Wir orderten noch Butter dazu, die sehr gut schmeckte und von Anfang an die richtige Temperatur hatte.

Abschliessend in dieser Prelude wurde noch ein Amuse Bouche serviert, welches ich schon von unserem Team-Mittagessen vor einigen Monaten kannte.

Rotweinreduktion, Mousse von grünem Spargel, Spargelscheiben, Estragon-Blätter, Forellenkaviar und eine Blume aus Himbeere/weisser Schokolade

Gut aufgrund der spannenden Texturvariation und der Säure durch die Rotweinreduktion am Boden des Tellers. Die Blume würde ich weglassen, da es das Ganze in die süsse Richtung zieht, was nicht sein muss. Aber das ist Geschmackssache.

Aquerello Risotto – Bärlauch, Schmecken à la Bourguignonne
Weinbegleitung: 2022 Vie de Romains Chardonnay, Friaul, Italien

Sehr schön in der Kombination mit der hellen Parmesanreduktion darunter. Die dunkle Schneckenzubereitung gehört mit zu den besten, die ich je gegessen habe. Mehr Risotto wurde in einer kleinen Kupferkasserole am Tisch gelassen. Leider konnten wir nicht alles aufessen. Wir mussten ja noch Platz lassen für das Hauptgericht.

Hausgemachte Tagliolini – Muscheln, Seeigel

Dies war ebenfalls ein sehr wohlschmeckendes Gericht in seiner Zusammenstellung mit Seeigel in der Sauce und als dunkelorange “Flecken”. Die Pasta war über jeden Zweifel erhaben. Allerdings fand ich den Salzgehalt an der oberen Grenze. Schön auch das knackige Gemüse in der Sauce, u.a. klein Stücke Stangensellerie.

Dry Aged Kalbskotelett Milanese für zwei Personen, Ruccola-Salat, Datteltomaten, Parmesan, Sauce Bernaise

Nun hatte ich ihn also, den direkten Vergleich mit den Orecchia Di Elefante Valdostana aus dem Da Vittorio*** in Brusaporto. Der Chef du Cuisine sagte mir ja bei unserem Teamessen wohl mehr im Scherz, dass die Version hier besser sei.
In der Fleischqualität sind beide ebenbürtig. Die Beilagen fand ich hier sogar etwas besser. Tolle Qualität der drei verwendeten Tomatensorten im Salat, eine sehr schöne Vinaigrette und eine phantastische Sauce Bernaise tragen zu diesem Urteil bei.
Wir konnten es nicht ganz aufessen und ich nahm die Reste des Fleisches und der Sauce mit. Am nächsten Tag hatte ich noch einmal ein wunderbares Mittagessen.

Zum Dessert teilten wir uns die Mousse au Chocolat mit der passenden Weinbegleitung.

“La Resèrve” Schokoladenmousse
Weinbegleitung: 2012 Conterno Fantino, Barolo Chinato, Piemont, Italien

Auch mein Dinner-Partner fand, dass dies eine Super-Kombination ist. Ich hatte es ja schon einmal bei einem der vorherigen Besuche.

Nun gab es noch drei verschiedene Mignardises.

Mignardises

Gelbe Pralinen: Kramell Haselnuss
Dunkle Paralinen: Orange Kokos Dunkle Schokolade
Beignet gefüllt mit Vanillecrème, Schokoladenganache und Mandel

Der Beignet gefiel mir am besten. Die Orangennoten nahm ich nicht wahr und deshalb schmeckte die dunkle Paraliné ein bisschen wie dunkles Bounty 🙂

Wir hatten schon bezahlt, aber der Abend war noch nicht zu Ende. Wir hatten den Chefstable gebucht und sassen neben dem kalten Pass vor der grünen Molteni-Küche. Dort erschien auf einmal ein Dessert für einen anderen Gast, das sehr interessant aussah und wir sprechen den Patissier darauf an. Im Laufe des kurzen Gesprächs bot er dann an, auch eins für uns zu machen.

Zitrusfrüchte, Meringue – Timur de Tarai Pfeffer aus Nepal, eingelegte Kapern

Angegossen wurde noch eine Himbeersauce. Recht interessanter Turm aus hohlem Zitrusschwamm mit rotem Kompott gefüllt, Zitrussorbet und Zitrus-weisse Schokoladencrème in drei Schichten getrennt durch Meringueplatten. Die süss eingelegten Kapern sind auf dem Bild links im Turm schwarz zu sehen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so klingt, war dies ein recht süsses Dessert. Vielen Dank, dass wir es probieren durften!

Fazit

Wir haben sehr gut gegessen. Dieses à la Carte Menü zeigte wieder einmal, dass man mit durchaus “einfachen” Gerichten ein höheres Level erreichen kann, legt man auf die Auswahl der Zutaten und deren Zubereitung besonderes Augenmerk. Service vom grösstenteils italienischen Personal war zugeneigt, locker und auch ansonsten tadellos.

Es gibt hier noch vieles zu entdecken.

Webseite des Restaurants: Eden Kitchen Restaurant Zurich | La Réserve Eden au Lac Zurich

Casa Perbellini 12 Apostoli Verona

Besucht im Mai 2025
Mittagessen
Bewertung: Drei Michelin Macarons

Ein Aufenthalt in der Nähe des Gardasees eröffnete die Möglichkeit, das Flagschiff-Restaurant der Perbellini-Dynastie zu besuchen. Diese entstand ursprünglich als Bäckerei und Pasticceria etwas 30 Kilometer südlich von Verona. Eines der Restaurants, welches inzwischen geschlossen wurde, hatte ich schon einmal besucht.
Anreise mit dem Fahrzeug war recht problemlos, nur das vom Restaurant empfohlene Parkhaus war leider voll besetzt. Eine freie E-Auto-Ladestation im gleichen Viertel tat es dann auch. Ein nicht zu langer Fussweg durch die historische Altstadt brachte mich dann pünktlich vor das Restaurant, welches genau um Punkt 12:30 Uhr seine Türen öffnete. Ein bisschen nervig fand ich die dreimalige Erinnerung an den Tagen zuvor, doch ja pünktlich zu sein.
In Empfang genommen wurde ich von einem wahren Komitee und dann sogleich in den ersten Raum links an meinen Platz geleitet.
Im Vorfeld hatte ich mich schon für das Menü IO E SILVIA entschieden. Während des Studiums der Weinkarte wurde schon die ersten zwei Kleinigkeiten gereicht.

Amuses-Bouches 1: Mürbeteigcracker mit Bohnencrème und Beignet mit Liebstöckel-Crème und Blüten

Wein ist in diesem Restaurant für Italienische Verhältnisse recht teuer. Aufgrund der Art der Anreise wollte ich mich eh beschränken und nahm später nur ein Glas Rotwein zum Hauptgang. Nun kam eine ganze Batterie von Amuses-Bouches zusammen mit einem Brioche-artigen Gebäck und hausgemachten Grissini an den Tisch.

Casa Perbellini amuse-bouche*

Man sollte mit einer geeisten Praline mit nicht-alkoholischer Füllung der Geschmacksrichtungen Erdbeere, Passionsfrucht und Rhum und einer Zitronen-Joghurt-Crème on top starten. Das schmeckte gut, war wegen der Süsse aber zu diesem Zeitpunkt des Menüs eher überraschend. Eine knusprige Selleriewaffel mit Tomatenpulver und Füllung aus geräuchertem Ricotta gefiel mir gut.
Links daneben befand sich eine Guacamole Wasabi Crème zwischen zwei dunklen Algencrackern. Den Wasabi konnte ich nicht schmecken und Schärfe war auch nicht vorhanden.
Eine Parmesanpraline mit Crème versetzt mit schwarzem Pfeffer und Granatapfelreduktion war eher unauffällig.
Ein Tartelette mit Knoblauch- und grüner Bohnencrème gefiel mir ausserordentlich gut, zumal sie mit Erbsen allerbester Qualität dekoriert war.
Ein weiteres Highlight dieser Parade war der letzte Snack, eine getrocknete süsse Paprika einer speziellen Sorte aus Süditalien gefüllt mit einer sehr Intensiven Tomatencrème.

Paté Choux

Abschliessend servierte Matteo, einer der Köche, stilecht mit Tock auf dem Kopf, aus einem Dim-Sum-Korb einen warmen Paté Choux gefüllt mit Saffran-Crème und Tamarindendeko.

Foccacia mit Squacquerone-Käse-Crème

Die Foccacia wurde von einem anderen Koch serviert und war in einer Pfanne gebacken worden. Zwei verschiedene Mehlsorten und Kartoffeln waren in ihr verarbeitet worden und diese warme, lockere, fluffige Foccacia zählt zu den besten, die ich je gegessen habe. Man merkt, woher das Business der Familie Perbellini stammt und worauf man hier Wert legt. Die Crème, in der auch Parmesan verarbeitet wurde, war sehr fein, aber mit ihrer leichten Säure eher kontraproduktiv, wollte man die Foccacia voll geniessen.

Meine Waffel… Wolfsbarsch* Tartàre, Frischkäse, Lakritze

Diese Waffel ist ein Signaturgericht des Hauses, welches schon 27 Jahre mehr oder minder unverändert auf der Karte steht. Mir gefiel es sehr gut, da es geschmacklich optimal war, schön mit Texturen gespielt wurde und auch die Temperaturen stimmten, sodass sich die Aromen voll entfalten konnten. Zwischen den Scheiben der Sesamcracker befand sich das leicht mit Zitrus aromatisierte Tatar und die Frischkäsecrème, welche mit Schnittlauch versetzt war. Dazu wurde ein Löffel mit Lakritzsauce gereicht, von dem man etwas vor jedem Biss auf den Cracker tropfen lassen sollte. Das passte recht gut, die “Waffel” war aber auch für sich allein gut.

Spargelbouquet, Langoustine* und trockene Wermutcreme

Nun wurde ein auf Raumtemperatur temperiertes saisonales Gericht serviert, welches 1 1⁄2 Minuten gekochten grünen Spargel und auf einem Binchotan-Grill gegrillte Langoustine, ich nehme an, dass Kaisergranat gemeint war, als Hauptdarsteller hatte. Ferner war auf dem Teller noch eine gelbe Eigelb-Crème und ein mit trockenem Wermut aromatisiertes helleres Pürée zu finden. Orangefarbene Stücke einer gepickelten Rübe fügten eine säuerliche Komponente dazu. Die Zutaten passten gut zusammen und waren optimal zubereitet.

Dazu wurde noch einmal anderes Brot, ein helles und ein dunkleres und Salzbutter aus der Normandie gereicht. Mit dem hellen Brot konnte man die Reste der cremigen Bestandteile des Gerichts gut aufnehmen.

Königliche Zahnbrasse*, Mascarpone-Käse, Sardellen aus Cantabric, Sprossensalat

Nun servierte eine Köchin den Fisch aus einer Pfanne mit viel Butter, in der das Filet konfiert worden war und legte diesen auf die vorbereitete zweilagige Schicht aus Mascarpone-Créme unten und Sardellen darüber. Etwas Fleur de Sel rundete den Serviervorgang ab. Alle nun drei Schichten zusammen gegessen bereiteten ein optimales Geschmackserlebnis. Auch der hochwertige Salat mit einer leichten Vinaigrette passte sehr gut dazu.

Ravioli aus geronnener Ziegenmilch, Erbsen- und Schinkenwasser, rosa Mittelmeer-Garnelen*

Hausgemachte Ravioli gefüllt mit einer Ziegenmilchcrème kamen mit süssen Garnelen und Erbsen. Ein Wasser, aromatisiert mit Erbse und Schinken, wurde am Tisch angegossen. Die Garnelen waren etwas kühler als der Rest. Und da waren sie wieder: die hervorragenden Erbsen, die man in dieser Topqualität selten bekommt. Das Gericht schmeckte gut, auch wenn die Ziegenmilchcrème nicht zu meinen Favoriten zählte.

Lammfleisch, Kalbsbries-Crumble, Bärlauch, Kefir
Weinbegleitung: 2021 Chianti Classico, Tenuta di Carleone, Toscana, Italien

Das Hauptgericht vereinte Lamm aus Spanien in Wagyu-Qualität, d.h. marmoriert mit reichlich Fett, auf einer Marsalareduktion und mit einigen Tropfen Origano-Öl, ein nicht weiter auffälligen Crumble vom Kalbsbries, Kefir-Crème mit etwas Bärlauch unten darunter und eine einzelne mittelgrosse Morchel. Die Fleischqualität und deren Garung waren über jeden Zweifel erhaben und in dieser Zubereitung eine der besten Lammstücke, die ich je gegessen habe. Die Kefirzubereitung sollte wohl etwas Frische beisteuern wie die Minz-Joghurt Beigaben bei nordafrikanischen Lammgerichten. Der Crumble war einfach nur knusprig. Das Bries konnte man nicht identifizieren. Die Morchel passte eher dazu und erfüllte ihre Funktion als Umami- Verstärker gut. Lamm, Morchel und die Marsala-Reduktion sehr ich klar auf Drei-Sterne-Niveau.

Nun war ich auf den süssen Teil des Menüs gespannt, sollte dieser doch in der Kernkompetenz des Hauses Perbellini liegen. Auf den lokalen Käse verzichtete ich aus Zeitgründen.

Pré-Dessert

Mandel-Crumble, Yuzu-Sorbet und Rosmarinöl. Für mich als Yuzu-Fan genau das Richtige und damit ein sehr guter Start.

Schokoladenzucker, Kakaoluft, Bitterorange, Cointreau

Das Dessert war dann so, wie ich es mir im Idealfall gewünscht hätte. Wenige Hauptzutaten, nämlich drei: Schokolade, Bitterorange, Orangenliqueur. Verarbeitet als Orangen-Cointreau- Sorbet, Schokoladencrumble und Orangengel auf dem oberen Teller und als mit Cointreau getränkte Dunkelschokoladen-Teig- Scheibe, Schokoladenzylinder gefüllt mit leichter Schoko- mousse (“Luft”) und einem kunstvollen Deckel mit Orangen-Cointreau-Gelee. Sehr schön.

Casa Perbellini mit Passionsfrucht- auf Birnen-Crème und Kampanile mit Cassis-Mandel-Lolli

Arena die Verona mit Pistazien-Himbeer-Tartelette und Saint-Honoré-Windbeutel und Ponte Pietra mit Tonkabohnen-Aprikosen-Praliné

Teatro Romano mit Gianduia oben und knuspriger dunkler Schokolade unten (High-End “Schoko Crossie”)

Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt*

Für die Petits-Fours wurde dann der ganze Tisch mit stilisierten Sehenswürdigkeiten Veronas eingedeckt, auf denen sich jeweils ein bis zwei Petits Fours befanden. Der runde Platz vor dem Kampanile fehlt bereits, da ich aufgrund eines Zeitproblems das Angebot annahm und das Schoko-Kaffee-Sablé-Törtchen, einer Hommage an das L’Ambroise in Paris, zum Mitnehmen einpacken liess. Der Anschnitt zuhause ist auf dem 4. Bild zu sehen. Hat ganz hervorragend geschmeckt. Wie auch alle anderen Kleinigkeiten von hochstehender Qualität waren.

Fazit

Gemäss einem Review kurz nach der Verleihung des dritten Michelin Macarons, das ich gelesen hatte, war ich etwas skeptisch, aber siehe da, es gilt immer wieder: selbst hingehen und sich ein Bild machen. Ich war sehr zufrieden mit der Küchenleistung. Wie man sehen konnte, wird doch einiges geboten. Gleichzeitig ist die Küche leicht. Man ist am Ende gesättigt, aber nicht überfüllt. Das Mittagessen dauerte 2 1⁄2 Stunden.
Im Restaurant sind sehr viele junge Servicekräfte im Verhältnis zur Gastanzahl. Am Anfang war es tatsächlich etwas steif, aber man taute auf von Seiten des Restaurants. Letztendlich ist auch entscheidend, wie man sich als Gast verhält (Wie man in den Wald…).
Restaurants mit höchsten Michelin-Weihen sind nun wie auf einer Kette parallel zur Serenissima aufgereiht (Padova, Verona, Bergamo, Milano). Das Milano-Glied (im Mudec) fehlt noch auf meiner Besuchsliste. Mal schauen, was das Jahr noch bringt…

Webseite des Restaurants: Homepage – Casa Perbellini 12 Apostoli

Restaurant 100/200 Hamburg

Besucht im Mai 2025
Mittagessen
Bewertung: Zwei Michelin Macarons

Ich hatte mich spontan entschlossen, das vom Restaurant 100/200 kürzlich verkündete kulinarische Konjunkturprogramm wahrzunehmen und nahm an einem frühen Sonntagnachmittag das Wasser und Salz Carte Blanche Menü zu mir. Da keine in meinem Umfeld bereit ist, sich auf “Gegessen wird, was auf dem Teller kommt” einzulassen, kam ich allein.
Die Anfahrt mit lokal emissionsfreiem Individualverkehr legte mir bei der Getränkebegleitung eine gewisse Beschränkung auf und so fragte ich nach zwei Gläsern, Weisswein für die ersten Gänge und den vorgesehenen Rotwein aus dem Geleitzug zum Hauptgang. Die Frage nach den Präferenzen beim Weisswein beantwortete ich Sophie Lehmann mit Sauvignon Blanc mit eher mineralischem Profil. Kurze Zeit später kam sie wieder mit zwei Flaschen als Alternative, da ein solcher Wein nicht vorrätig war. Beide stellten sich als sehr gute Wahl heraus, so dass ich mich auf die Frage, welcher es denn sein sollte, nicht so recht entscheiden konnte. Kurzum landeten zwei halbe Dosierungen in den Gläsern – sehr souverän und für mich im höchsten Mass zufriedenstellend.
Los gings mit einem Happen an der Showbar.

Hummerhack I Kastanie I Kardamom

Der Happen war eine Tartelette mit Kohlcrème, gegrilltem, gehackten Scherenfleisch des Hummers und geräucherter, gehobelter Maroni. Sehr gut.
Danach wurden die im Menü verwendeten Produkte gezeigt.

Schaukasten

Knochenmark und gelierter Rinderjus qualifizieren das Menü nicht unbedingt für Pescetarier. Im Reifeschrank links neben der Schaubar hingen die beiden im Menü verwendeten Fischarten.

Reifeschränke

Rechts Saibling aus Norwegen, links Köhler (Seelachs) aus Norwegen

Wasserkefir, Mandarineöl

Als Begleitung für die Einstimmungen wurde dieser alkoholfreie Drink gereicht.

Einstimmungen

Von 12 Uhr im Uhrzeigersinn:
Eingelegter Fenchel, Süssdolde, Kräutersaitling (süss)
Gurke, Joghurt und Liebstöckel (sauer)
Kristallbrot und Kaviar (salzig)
Crustade, Radicchio Salat, Kakao (bitter)
In der Schale Consommée mit Butter, Gouda, Alge, Shiitake (Umami)

Sauerteigbrot und Joghurt-Butter

Das sehr gute Sauerteigbrot und die on top mit Rosmarin und Chili gewürzte Joghurtbutter mit Schnittlauchöl drumherum sind sehr wohlschmeckend und dem attestierten Niveau des Restaurants sehr angemessen.

Auster

Als erster Gang kam eine in mundgerechte Portionen vorgeschnittene pochierte Auster, die von Gurke in 3 Formen (Gel mit Dill vakuumiert, Créme, eingelegte Scheiben), Iberico Schweinefett und Lardo und ausgebratene Kräutersaitlingen begleitet wurde. Als nicht ausgesprochener Freund von rohen Austern kam mir diese Zubereitung sehr entgegen. Die Begleiter passten gut dazu, erwischte man Lardo auf einem der Löffel, war dies ein besonderes Geschmackserlebnis.
Weinbegleiting für die ersten Gänge:
Furmint, gewachsen auf vulkanischem Boden von Oliver Weingartner, Ungarn und
2022 Carmin Lerredya, Jean Marc Grussaute, Cuvée mit Anteilen von Petit und Gros Manseng, Frankreich

Gereifter Saibling Müllerin Art

In brauner Butter ausgebraten, Petersiliencréme, Mandeln, Johannisbeeren?, frische Zitrone mit am Tisch angegossener Sauce Hollandaise mit geräucherter Butter. Der Saibling war perfekt gegart: innen glasig, knusprige Haut. Hätte einen Tick heisser sein können. Trotzdem ist dies ein absolutes Wohlfühlgericht.

Hummer griechisch

Oben links: gehackter Hummer Paprikacrème, Pistazie, Minzöl
Unten gegrillter Hummerschwanz ausgelöst auf Pistaziencrème
Oben rechts: Hummertee = Essenz aus den Karkassen kaum gewürzt im Gegensatz zu einer Bisque
Sehr reduzierte Zubereitung des Hummers, die durch Produktqualität und puren Geschmack zu begeistern wusste.
Das Gericht wurde vom Saucier serviert und es entspann sich ein interessantes Gespräch über den Hummertee und die Differenz zur Bisque.

Hummer-Bisque

Extra nach Gespräch mit Saucier. Diese wird im Glorie zum Hummer Thermidor gereicht. Noilly Prat, Gemüse, Sahne, Gewürze. Sehr fein.

Schlemmerfilet Bordelaise
Weinbegleitung: 2016 Todeschini, Distique 9, Rotwein Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc jeweils 1/3, St.Emilion Grand Cru, Frankreich

Köhler-Rinderfarce-Schnitte, Rinder-Consommé double. Bordelaise-Gewürze im Geltaler, u.a. Thymian. Darauf geröstete Weissbrotscheibe und Tartelette mit Knochenmark-Crème und geräuchertem Forellenkaviar. Dies hatte von Idee viel, von Qualität und Geschmack gar nichts mit dem Tiefkühl-Convenience-Food aus unserer Kindheit zu tun. Besonders ds Tartelette obenauf veredelte das Gericht auf vorzügliche Weise.

Zum Käsetoast
Pilz, Kombucha, Kakao

Käsetoast

Getoastetes Brot, Crème von mittelaltem Gouda, gehobelter Champignon, Shiitakepulver

Änderungen gegenüber der Version vom Besuch 2023: Gouda statt Deichkäse, Shiitake-Pulver als zusätzlicher Umami-Booster. Immer noch grossartig.

Himbeere mit Rose und Kernen

Himbeer Rosen Eiscrème auf Hippe mit Kürbiskernen, Himbeere, Limettengel, Pistaziencrème
Tatsächlich ein sensationell gutes Dessert mit verschiedenen Texturen, Temperaturen und Geschmacksrichtungen, die sich ideal ergänzten.

Butter ist dein Freund, Margarine will dich töten

Franzbrötchen, Crème Chantilly, Praliné-“Sauce”. Nach wie vor eine perfekt zubereitete Kreation zum Abschluss.

Den Macaron konnte ich auf Nachfrage mit nach Hause nehmen.

Fazit

Dies war ein rundherum befriedigendes Genusserlebnis. Qualität der Zutaten, Kombination der Produkte und Zubereitung lassen sich bis auf sehr wenige Aspekte kaum verbessern. The Master himself war an diesem Sonntag nicht zugegen, was aber bei dem, was auf den Tellern, Schüsseln und anderen Darreichungsformen auf den Tisch kam, nicht weiter auffiel. Das Küchenteam scheint perfekt eingespielt, auch wenn der Start dieser Saison erst wenige Tage zurückliegt.
Auch vom Service fühlte ich mich sehr gut umsorgt. Die Speisekarte, die nach dem Besuch am Ausgang mitgegeben wird, ist nun stark verbessert und gibt sehr viel ausführlicher Auskunft als noch vor zwei Jahren.
Bleibt das Konzept gleich, werde ich innerhalb eines Jahres alle vier Saisons probieren.

Webseite des Restaurants: Restaurant 100/200 und das Glorie. Gourmetrestaurant in Hamburg

Restaurant Orsini Zürich

Besucht im April 2025
Lunch
Bewertung: Ein Michelin-Macaron

Mein erster Besuch kurz nach der Neueröffnung Anfang letzten Jahres ist schon etwas her, den Plan, hier einmal zum Business-Lunch herzukommen, hatte ich aber nie aufgegeben. Heute wurde er umgesetzt. Mittags wird hier von Dienstag bis Freitag ein Business-Lunch von 2 oder 3 Gängen angeboten. Wer will, kann zusätzlich noch ein Dessert bestellen, welches dem aus dem grösseren Abendmenü entspricht. Wir entschieden uns für alle 3 Gänge aus dem dreisprachig (IT/DE/EN) beschriebenen Menü.
Das Restaurant war an diesem Mittag ausgebucht.
Zum Start kamen drei Snacks an den Tisch.

Piadina gefüllt mit schwarzem Rettich, hausgemachten Feta und selbst gesammeltem Bärlauch Poulet-Reis- Crisp mit Haselnuss und Bresaola
Panisse, Kichererbsen, Oliven, Camembert-Burrata, Trüffel
Die drei Snacks waren abwechslungsreich und alle gut bis sehr gut. Besonders gefallen hat uns das provenzalische Panisse, ein ursprünglich aus Ligurien stammendes mit Kichererbsenmehl bereitetes Gebäck, welches an den Tisch gebracht ein schönes “Bouquet” vom Trüffel verströmte.

Buchweizen-Sauerteigbrot, Rosmarin-Focaccia, handgerollte Grissini und phantastisches Olivenöl aus Sizilien

Alle drei Gebäcksorten waren von hoher Qualität und sehr wohlschmeckend. Vom Focaccia gab es reichlich Nachschlag. Das Olivenöl kannte ich schon vom vorherigen Besuch. Eine bessere Produktqualität des Öls kenne ich eigentlich nicht.

ASPARAGI VERDI
Bernaise al pistacchio e frittatina all’aglio Orsino
Grüner Spargel mit Pistazien-Bernaise und Bärlauchkrapfen

Dies war ein bemerkenswert guter vegetarischer Auftakt ins Menü mit saisonalen Produkten. Die Spargelstangen waren warm, somit von genau richtiger Temperatur und perfekt bissfest gegart. Auf ihnen befand sich die Sauce Bernaise, hergestellt mit sizilianischen Pistazien. Daneben befand sich eine Art Flan, an dessen Boden Bärlauch haftete und der mit einem mit einer Vinaigrette angemachten Salat aus dünnen Spargelstreifen bedeckt war. Das gab dem Ganzen eine knackige Komponente. Sehr gut!

RISONE
Con bisque di corostacei, peperoni friggitelli e salsa al corallo di astice
Risone mit Muschelbisque, gebratenen Paprikaschoten und Hummer-Corail-Sauce
Weinbegleitung: 2022 Borgo del Tiglio, Sauvignon Blanc, Friaul, Italien

Auf den Zwischengang waren wir wegen der Meeresfrüchte-/Krustentierkomponenten sehr gespannt und wir wurden nicht enttäuscht. Zuerst einmal nahmen wir den betörenden Geruch der Hummer-Corail-Sauce obenauf wahr. Dieses Löffel-Pastagericht war fein ausbalanciert und alle Zutaten ergänzten sich ideal. Davon hätten wir glatt noch einen zweiten Teller verputzt. Bemerkenswert vor allen die gute Einbindung der süssen Frigitelli Paprika. Paprika kann in einem Gericht ja sehr dominant sein, war es hier aber nicht.

POLLO ARROSTO
Con cipollotto marinato, salsa allo zafferano e menta
Gebratenes Hähnchen mit marinierten Frühlingszwiebeln und Safran-Minz-Sauce

Das Hauptgericht liess uns mit etwas gemischten Gefühlen zurück. Gut: Geschmack und Textur des Huhns. Dieses war sehr zart. Auch die Sauce gefiel uns sehr gut. Diese war eher ein klassischer Hühner-Jus. Safran, Minze und Koriander waren nicht sehr präsent. Hauptproblem war hier die Temperatur. Was beim ersten Gang optimal war, gelang hier überhaupt nicht. Das Huhn kam nicht warm genug an den Tisch. Die “Contorni” Schwarzwurzelcrème und marinierte Zwiebel wollten für mich auch nicht so recht passen. Ich verstehe die Intention, etwas Säure als Gegenpol zu den Umami-Aromen auf den Teller zu bringen. Ich hätte wahrscheinlich einen kleinen Salat in einer Satellitenschüssel dazu serviert. Das Gericht war nicht schlecht, könnte aber optimiert werden.

Canolo gefüllt mit Crème von der schwarzen Zitrone
Schokoladenpraline mit Erdbeer-Schokoladen-Ganache
gekühltes Limoncello-Gelee

Zu einem Dessert konnten wir uns nicht durchringen, zum recht teuren Kaffee gab es dann einige Mignardises.
Am Canolo war das Beste die sehr knusprige Gebäckrolle. Die Crème-Füllung war vom Geschmack indifferent und hatte eine etwas körnige Struktur.
Die Praline war gut, deren Füllung hatte einen fruchtigen Touch, die Geschmacksrichtung konnte ohne die Erläuterung zuvor nicht erkannt werden.
Sensationell fanden wir das Limoncello-Gelee. Dies gab im Mund aufgewärmt deutliche Limonen- und sogar Alkohol-Noten frei.

Fazit

Wir haben sehr gut gegessen. Wie ich erwartet hatte, war dieses Mittagessen vom Konzept her doch sehr unterschiedlich von dem vor einigen Wochen im Eden Kitchen & Bar. Bis und mit dem Zwischengang waren wir begeistert. Hauptgang und Mignardises hatten etwas Optimierungspotential.
Die Stimmung hier ist sehr angenehm. Dazu trägt auch der zugewandte, freundliche Service bei.
Es gibt keinen Grund, hier nicht wieder herzukommen.

Webseite des Restaurants: ORSINI Italian Fine Dining | Mandarin Oriental, Zurich

Eden Kitchen & Bar Zürich

Besucht im März 2025
Mittagessen
Bewertung: Ein Michelin Macaron

Lange geplant, haben wir jetzt den Plan umgesetzt, als Team einmal das Business-Lunch im
Eden Kitchen & Bar auszuprobieren.
Das wöchentlich wechselnde Menü ist im Internet nicht einzusehen, wird aber auf Anfrage als PDF zugesendet. Es besteht aus jeweils zwei auszuwählenden Optionen für Vor- und Hauptspeise und einem Dessert, welches von den à la Carte Dessertoptionen abweicht. Das Menü wird für einen attraktiven Preis als 2- oder 3-Gang-Optione inklusive Wasser und Kaffee angeboten.
In der Woche, in der wir das Restaurant besuchten, hatte die Speisenauswahl durchaus Ecken und Kanten, was Vorlieben und Unverträglichkeiten von potentiellen Essern angeht (Fleisch, Bittersalate, Blauschimmelkäse, Meeresfrüchte). Letztendlich hat aber jeder aus unserer Gruppe eine passende Kombination gefunden.
Die Weinliste studierte ich vorgängig und suchte je eine Flasche Wein- und Rotwein aus, auch wenn die Menüprodukte nicht unbedingt eine Paarung mit Rotwein erlaubten.

Brot und Olivenöl

Los ging es mit Pergament- und Sauerteigbrot und sehr gutem Olivenöl.

Amuse Bouche

Danach folgte ein Schaum von grünem Spargel auf einer Rotweinreduktion, die schöne Säure beisteuerte als Kontrapunkt zu den bitter und erdigen Noten des Spargels. Ferner gab es ein Ragout von grünem Spargel und etwas Forellenkaviar für die Salzigkeit. Das gefiel, soweit ich es mitbekommen hatte, allen gut.

Gonzaghese-Hühnersalat, Sellerie, Apfel und Caesar-Dressing
Weinbegleitung: 2018 Bodega Nivarius, Rioja Blanco, “Viura”, Spanien

Welche Vorstellung hat man von einem Hühnersalat, wenn man den auf der Speisekarte liest? Dieser hier kam auf einem Romana-Salatherz und schmeckte phantastisch, wie ich fand. Neben den in der Bildunterschrift beschriebenen Zutaten fand ich noch geröstete Pinienkerne und eingelegte helle Rosinen. Das Dressing überzeugte mich sehr. Zu dem Rezept ist aber noch mehr zu sagen: Es geht auf Bartolomeo Stefani, Koch des herzoglichen Hofes von Mantua im 17. Jahrhundert zurück und soll mit seinem süssen Geschmack von Senf, Sultaninen und der knackigen Note von Pinienkernen bestechen. Was es zweifelsfrei tat.
Der Wein schmeckte uns dazu sehr gut.

Radicchio und Cicorino Salat, Gemischte Samen und Zitronendressing

Dieser Salat war wohl als Alternative für die Nicht-Fleischesser gedacht. Ich konnte ihn auch probieren und was besonders positiv hervorstach, war das sehr gute Dressing.

Spargelrisotto, Gorgonzolasauce
Weinbegleitung: 2019 Francesca Fiasco, “Ersa” Paestum Rosso IGP, Aglianico/Cabernet Sauvignon/Barbera, Kampanien, Italien

Das Risotto mit kurzen grünen Spargelsegmenten, einigen Stangen grünem und weissem Spargel und einer, wie ich sie bezeichnen würde, Gorgonzola-Schmelze kam als rechte Portion und schmeckte sehr gut. Die Intensität des Gorgonzolas war abgemildert worden, indem man ihn mit Sahne und Milch im Thermomix einkochte und danach die Edelschimmelanteile des verwendeten Gorgonzola dolce absiebte.

Gebratene Calamaretti, Tempura von Brokkoli und Blumenkohl, Sauce Tartare

Ich war etwas überrascht, als die von mir bestellte Hauptspeise an den Tisch kam. Diese würde ich als “Frito Misto” bezeichnen, das ich mir manchmal als Italienisches Streetfood auf Wochenmärkten in Italien als Mittagessen hole. Die deutsche Übersetzung auf der Speisekarte war hier irreführend, ist ein gebratener kleiner Tintenfisch doch nicht das gleiche wie frittierter.
Abgesehen davon hatte dieses Frito Misto eine hohe Qualität, sowohl die Ausgangsprodukte als auch vom Treffen der Garpunkte. Auch die hausgemachte Sauce Tatare mochte zu brillieren.

Vacherin-Käse und Honig-Cheesecake, Rhum-Gel

Von der Beschreibung konnte man nicht unbedingt auf das schliessen, was dieses Dessert wirklich war, sodass nicht alle Teilnehmer des Mittagsessens dieses vorab orderten. Nachdem die ersten Teller den Tisch erreichten dann aber schon! Vanilleeis mit Honig auf Pollen kamen mit einem als Wabe geformten Cheesecake, Rum- und Zitrus-Gelen, weisse Schokolade- Sternen und Honig-Tuiles. Der Geschmack und die Form des Anrichtens entsprach nun ganz klar dem attestierten Restaurantniveau.

Mignardise

Mit der Rechnung kam dann noch diese mit einer Créme gefüllte Brandteig-Praline an den Tisch. Getoppt war sie mit Schokoladen-Ganache und –Perlen. Sehr gut.

Fazit
Wir genossen die schöne Atmosphäre im von Philippe Starck designten Gastraum und den charmanten Service.
Die Gerichte des Businessmenüs sind tadellos, was die Produktauswahl und Zubereitung angeht. Nach meinem Dafürhalten sind sie vom Konzept aber etwas unterhalb des Niveaus der à la Carte-Auswahl, was aber verständlich ist, angesichts des Willens, etwas preislich Attraktives anzubieten, was, wählt man 2 Gänge, innerhalb von einer Stunde serviert werden kann.

Website des Restaurants: Eden Kitchen Restaurant Zurich | La Réserve Eden au Lac Zurich

Atelier Moessmer Bruneck

Durchgang alter zum neuen Teil

Besucht im März 2025
Abendessen
Bewertung: Drei Michelin Macarons

Ein längerer Aufenthalt in Südtirol generierte die Idee, das bestbewetete Restaurant in dieser Gegend zu besuchen. Reservierung war auch vier Wochen vor dem Termin kein Problem. So machte ich mich an einem Donnerstag Abend auf den Weg.
Das Restaurant befindet sich in einer historischen Villa gegenüber dem Eingang zum Werksgeländer der Firma Moessmer, einem Hersteller von Loden mit langer Tradition.
Die Villa wurde mit hohem Aufwand, auch aufgrund des strengen Denkmalschutzes, und unter Verwendung von Materialien der Firma Moessmer für Wandbespannung und Akustikoptimierung innerhalb von 8 Monaten renoviert und für einen Restaurantbetrieb bereit gemacht. Norbert Niederkofler, der mich nach Einnahme der Aperos im Haus herumführte, legte nach eignen Worten auf die kurze Zeitspanne der Renovation Wert, hatte er doch den Ehrgeiz, die drei Michelin-Sterne, die er im Hubertus vorher hielt, gleich bei der nächsten Michelin-Bekanntgabe wieder zu erlangen.
Man bewirtet hier in den verschiedenen Räumen bis zu 35 Gäste. An diesem Abend waren 11 Gäste am L-förmigen Küchentresen im Neubau gruppiert. Die letzten Ankömmlinge starteten um 21:30 Uhr ins Menü.
Das Aperitif-Angebot fand ich etwas enttäuschend. Hätte es zum Beispiel als regionales Angebot einen Apfel-Cidre aus Südtiroler Äpfeln gegeben, hätte ich diesen gern genommen.

Die Snacks wurden in einem separaten Raum links vom Eingang serviert. Hier befand sich auch die Bar und man hätte fast beim Zusammenstellen der Snacks zusehen können, hätte man nicht so tief gesessen. Hier wird ein Menü unter dem Motto “COOK THE MOUNTAIN” serviert. Man benutzt ausschliesslich Zutaten, die auf alpinem Niveau wachsen und versucht, diese nachhaltig zu verarbeiten, d.h. eine “no waste” Strategie zu verfolgen. Die erfolgreiche Umsetzung hatte dann auch der Verleihung eines grünen Sterns zur Folge. Eine E-Ladesäule vor der Tür würde gut dazu passen – gibt es aber leider nicht. Zusätzlich zum gesetzten Menü gibt es noch drei Extra-Signatur Gerichte zum Dazuwählen:
– Tatar von der Renke
– Rote Beete Gnocchi
– Tarte Tatin

Snacks von 7 Uhr im Uhrzeigersinn: Taco/Frico/ Maritozzo/Tartellette

Die vier verschiedenen Snacks waren im Einzelnen:
Ein Mais-Taco gefüllt mit Saiblingstatar getoppt mit seinem Rogen, simpel und gut
fricò – eine lauwarme Spezialität aus dem Friaul basierend auf Käse und Kartoffel, hier auch mit Zwiebel und Steinpilzcrème,
Maritozzo, ursprünglich ein Dessert aus der römischen Gastronomie ist eine Art eingeschnittenes Laugenbrötchen gefüllt mit einer Crème, hier aus Buttermilch und Bohne, war leicht süsslich Kartoffelteig-Tartelette mit Sauerkraut, Schafskäse und Schalotte war recht gross, aber gut zu essen, alle Komponenten konnte man klar schmecken.

Wintersalat

Am Platz am schwarzen Küchentresen angekommen wurde als erstes ein sogenannter Atelier-Punch serviert. Dieser war aus Gemüsereste gekocht und mit Apfelextrakt und Gewürzen versetzt worden, schmeckt gut und war ein idealer Start ins Menü.
Anschliessend kam das Wintersalat genannte Gericht auf den Tisch, das zusammen mit einer Zopf-Brezel serviert wurde, deren eine Hälfte mit Fenchel und die andere Hälfte mit Chicorée gebacken wurde. Der wunderschön anzusehende Wintersalat hatte eine Rose aus in rote Beete-Essig eingelegter und geflämmter gelber und weisse Beete im Zentrum und eine Schwarzwurzel-Mayonnaise als Dressing. Das schmeckte ganz hervorragend.

Forelle
Weinbegleitung: Köfererhof Kerner 2022, Südtirol, Italien

Zweimal geräucherte Lachsforelle, einmal kalt und einmal warm über dem Holzkohlengrill, war hier gezupft neben anderen Komponenten mit Schalotten, Senfsaat, Forelleneiern und Traubenkernöl mit Bergkräutern angerichtet worden.

Brot und Butter

Mit Walnüssen, Fenchelsamen und Berg-Miso gebackenes Sauerteigbrot und leicht gesalzener aufgeschlagener Butter

„Spatzlan“

Bärlauch-Spätzle mit fermentierter Bergbohnencrème, salziger Zabaione, knusprigen Speckwürfeln, Specköl und Pulver vom verbrannten Lauch. Schlotziges Wohlfühlgericht.

Saibling

Auf der Haut gegrillter vorher marinierter Saibling war auf Kartoffel-Blumenkohl-Spaghetti angerichtet und mit einem Fond aus den Fischkarkassen, Kartoffelschalen und Blumenkohlstielen umgeben. Etwas Saiblings-Kaviar war auch noch zu finden. Dies war ein schön reduzierter Gang mit guten Produktqualitäten und passender Zubereitung.

Schaf
Weinbegleitung: Lacus Rosso, Cabernet Sauvignon, Merlot, 2022, Tramin, Südtirol, Italien

Fangen wir Mal beim Wein an: Dieser war etwas Besonderes, stammt er doch von einem Weinberg von nur 1/3 Hektar im Familienbesitz, der von einem bekannten Südtiroler Weinberater quasi nebenher gepflegt wird. 2022 schmeckte wohl ein Fass ganz besonders und nachdem sich der Sommelier vom Atelier Moessmer davon überzeugt hatte, fragte man an, ob man nicht das ganze Fass kaufen könnte. Konnte man, aber nur unter der Bedingung, dass man selbst abfüllte und verkorkte. Gesagt, getan und so fanden 280 Flaschen den Weg in den Weinkeller des Restaurants. Diese hier war Nummer 215 und der Wein passte gut zum Hauptgang.
Schaf wurde hier als kurz angegrilltes Stück und knusprige Kruste mit Fett, einem Baba Ganoush ohne Aubergine und mit Jus zubereitet. Star auf dem Teller war für mich aber das Stück “Edel”-Radicchio aus Gorizia im Friaul, das hier mariniert wurde. Ich habe noch nie besseren Radicchio gegessen!
Was auch ganz hervorragend war, war die Pastete auf dem Satellitenteller, welche aus anderen Fleischstücken des Schafs bereitet war. Diese hier hat mir sogar besser geschmeckt als die aus dem Restaurant Jan in München.

Kaki, Sanddorn und Hokkaido

Als Pré-Dessert war eine Schichtweise Konstruktion aus geräucherter Hokkaido-Eiscrème, einem Sanddorn-Kaki-Chutney, Joghurt-Mousse und Pulver roter saurer Früchte vorbereitet worden. Die Räuchernote konnte ich nicht schmecken, aber ansonsten war dies sehr gut.

Milch, Honig und Kamille

Eine Scheibe Honigbiskuit mit gekochten und eingelegten Walnüssen war mit runden Meringue- Scheiben mit und ohne Blütenstaub und einem Ziegenmilcheis und Honigdekoration belegt worden.
Eine Kamillen-Crème Brulée mit Buttermilch wurde dazu gereicht. Es wurde empfohlen, es wechselweise zu essen. Beides harmonierte sehr gut miteinander und schmeckte ausgesprochen gut.
Nach diesem eigentlichen Ende des Menüs offerierte man mir die Tarte Tatin und bot sogar an, mir die zweite Hälfte mit nach Hause zu geben.

Tarte Tatin

Die ist auf ihrer Blätterteigbasis, schön karamellisiert und mit ihrer zurückhaltenden Süsse wirklich ganz hervorragend und kann nicht besser, nur anders gemacht werden. Das dazu gereichte Joghurteiscrème passt optimal dazu. Danach war ich allerdings gesättigt, sodass ich auch auf die Mignardises verzichten musste und diese ebenfalls ihren Weg nach Hause fanden.

Mignardises von oben nach unten: Crème / Macaron/ Topfenknödel / Fichtengelee

Fazit

Das war eine interessante Erfahrung und Mal etwas Anderes im Vergleich zur Spitzengastronomie auf gleichem Level. Lokale saisonale Produkte bedeuten keinerlei Verzicht. Alles hat mir geschmeckt, was man von konzeptionell strikten Menüzusammenstellungen ja nicht immer behaupten kann.
Die Lokalität ist sicher ein besonderer Ort und auch die Zusammenarbeit mit einem Textilhersteller bemerkenswert.
Herr Niederkofler und das gesamte Personal sind sehr nett, zugewandt, professionell und da ist nichts, was ich bemängeln könnte.

Website des Restaurants: Atelier Moessmer – Norbert Niederkofler