Besucht im September 2026
Abendessen
Bewertung: Zwei Michelin Macarons
Eine Fortbildung auf der anderen Seite des Schluchsees eröffnete die Gelegenheit, das “neue” Restaurant Mühle einmal auszuprobieren, wenn ich schon in der Gegend bin. Nach Wechsel des Kochteams, Niclas Nussbaumer kocht jetzt in Frankfurt und hat auch dort mittlerweile wieder mit seinem Team zwei Michelin Macarons erreicht, leuchtet auch hier nach zwei Jahren mittlerweile dieselbe Auszeichnung von der roten Plakette am Restauranteingang. Einige Dinge sind gleichgeblieben, wie die Besteckschublade, das Servieren durch die Mitglieder des Kochteams und das Duzen. Ich war also gespannt auf den Inhalt der Teller und Schüsseln, die aus der Küche kamen. Drei Gläser Wein bestellte ich zu dem einzig erhältlichen Menü.

Steinpilz-Essenz mit Speckschaum. Umami pur, Salz an der Grenze

Geflügelleber, Haselnuss, Kirsche
Ziegenkäse, Melone, Schinken
Ein Tartelette mit Saiblingstatar war kombiniert mit Saiblingskaviar, nur subtil wahrnehmbarem Meerrettich und einem Wachtelei.
Die Praline mit der Hauptzutat Geflügelleber, hatte als Mitspieler, Haselnusscrunch, Sellerie für etwas Säure und fruchtige Kirsche und Holunder.
Das dritte Fingerfood spielte mit dem Thema Melone und Schinken. Ein Kubus mit Ziegen- Frischkäsemousse war umwickelt mit hauchdünnem Schwarzwälder Schinken. Darauf ein gleichgrosser Kubus aus eingelegter Melone dekoriert mit schwarzem Pfeffer und Minze, die sehr gut erschmeckbar waren.
Dieser Reigen aus Essenz und drei Stück Fingerfood war im Prinzip sehr gut. Man hätte den Genuss aber durch zeitlich andere Servierweise noch steigern können. Die Essenz ist warm und deshalb wird empfohlen, sie zuerst zu geniessen. Durch Salzgehalt und Umami-Wucht erfasst man die folgenden Snacks leider nicht optimal. Das Saiblingstartelette erweckte bei mir sogar den Eindruck, dass Salz fehlte, was bestimmt nicht der Fall war. Die Pilzessenz erst zu servieren und dann im zeitlichen Abstand die anderen drei Kleinigkeiten, würde dies lösen. Mein Favorit war übrigens die Leber-Praline.

Eine vorgeschnittene Auster befand sich in einer Safran-Bouilabaisse. Dazu gab es marinierten hauchdünn geschnittenen um einen Salicorn aufgewickelten Fenchen und einen Zitrusschaum. Unter der Auster befand sich noch ein Brunoise aus Sellerie und Paprika. Dieses beim näheren Hinsehen doch recht aufwändige Amuse Bouche schmeckte mir sehr gut.

Ordentliches Sauerteigbrot von einer lokalen Bäckerei in Lenzkirch wurde mit einer Butter von einem ebenfalls nahen Bauernhof und Räuchersalz serviert. Die Butter hatte eine körnige Struktur und einen etwas gewöhnungsbedürftigen Geschmack – fast würde ich den als Beginn von ranzig beschreiben. Hier gäbe es Optimierungspotential.

Deutscher Ossetra Caviar, Kopfsalatvinaigrette, Artischocke
Weinbegleitung: 2025, Chardonnay, Greiner, Baden, Deutschland
Was für ein wunderbares Gericht! Wolfsbarsch gebeizt und als Sashimi in der Mitte des Tellers war bedeckt mit Ossietra Kaviar von AKI und Artischockenstroh. Artischocke war auch als Crème und Salat unter dem Fisch verarbeitet worden. Radieschen und geröstete Mandeln waren weitere feste Zutaten. Eine Kopfsalatvinaigrette und Tomatengelee komplettierten das Gericht. Aus den übrigen Teilen des Wolfsbarsch hatte man noch eine Suppe gekocht, die mit Tomatenwasser und Butter verfeinert worden war und in einem Glas separat dazu serviert wurde. Dieser Gang war eines der Highlights des Menüs.

Zwiebelgewächse, Grapefruit, Muskatnuss
Weinbegleitung: 2024, Bianco del Casal, Ca la Bionda, Veneto, Italien
Sanft gegarte Lachsforelle wurde mit ihrem Kaviar auf glasierten Perlgraupen und umgeben von einem Lauch-Muskatnuss-Schaum serviert. Darin fand man noch Stücke von Grapefruit-Filets und geflämmte “Schiffchen” der eingelegten Perlzwiebel mit zusätzlichem Kaviar. Diese sehr schöne Kombination war ebenfalls perfekt zubereitet.

Rotweinbutter, Kohlrabi, Spinat
In Nussbutter konfiertes Stück Rochenflügel mit perfektem Biss lag auf sautiertem Blattspinat. Dazu war ein Ring aus Kohlrabicrème geschaffen worden, in dessen Innerem sich die Rotweinbuttersauce befand. Der Ring war noch ausdekoriert worden mit gerösteten Pinienkernen und Nektarinenwürfeln. Auch dies war ein sehr wohlschmeckendes Gericht auf dem vom Michelin attestierten Niveau.

Bohne, Tomate, Schwarzwald Miso
Im Zentrum des nächsten Gangs stand ein Raviolo gefüllt mit Kalbskopf, auf dem sich schwarze Bohnen, ein Stangenbohnen-Päckchen, ein geröstetes kleines Stück Kalbsbries und Tomatenpüree befanden. Kalbsfond und Bohnenkraut-Öl griffen als flüssige Zubereitungen die Zutatenthematik noch einmal auf. Ich fand besonders die Idee mit dem kleinen Stück Bries gut.

Gebratene Leber, Pfifferlinge, Petersilienwurzel
Weinbegleitung: 2018, Somni, Carignan, Syrah, Clos del Portal, Vila del Lloar, Priorat, Spanien
Die Wachtelbrust war, nachdem sie einige Tage im Dry-Ager gereift worden war, als Ballotine mit Petersilienwurzelfarce und Tramezzinikruste zubereitet worden. Durch das nicht ganz Durchbraten war sie schön zart. Dazu gab es gebratene Leber und Pfifferlinge, eine Variation von der Petersilienwurzel und einen sehr dichten Wachteljus mit Cognac verfeinert. Dies war eines der besten Hauptgerichte, die ich dieses Jahr gegessen habe.


Haselnuss, Buttermilch, Baiser
Sozusagen als Pré-Dessert wurde dieses Glas mit schichtförmig aufgebautem Inhalt serviert. Darin befand sich Aprikosenkompott, Haselnusseiscrème, Buttermilchschaum, Haselnüsse, Zitronencrumble, Nougatwürfel und on top geflämmtes Baiser. Das war ein spannender angenehmer Löffelspass.

Brombeere, Mascarpone, Mädesüß
Das Hauptdessert präsentierte dann ein Millefeuille aus Brombeer- und Mascarponecrème, dazu eine echte Brombeere, Pistazien und ein Mädesüss-Eis. Mädesüss ist eine Pflanze aus der Gattung der Rosengewächse. Ihre Blätter geben längere Zeit in Flüssigkeiten wie Wasser oder Sahne getaucht ihre Süsse an diese ab. Dazu wurde noch eine kalte Brombeeressenz gereicht, die hier nicht abgebildet ist.

Hagebutten Salbei Baiser
Waldhonig Sandwich
Eine dekonstruierte Schwarzwälder Kirschtorte mit ihren Zutaten Kirsche, Sahne und Schokolade,
ein interessant schmeckendes Tartelette mit einer Rosette aus Apfel und Salbei auf Hagebutten-Panna Cotta und mit Baiserkugel und
ein Sandwich aus Cerealien, Waldhonig und Blütenpollen bildeten den Abschluss dieses Menüs.
Mir gefiel das Schwarzwälder Kirsch am besten.
Zusammenfassung
Mit Fabian Obergfell hat hier ein äussert sympathischer, jung wirkender Koch mit seinem Team das Restaurant übernommen. Seine Erfahrung als langjähriger Sous-Chef bei Dirk Hoberg merkt man den Gerichten an. Das Küchenteam produziert äusserst attraktive Tellerbilder, die Kombinationen sind durchdacht und das Wichtigste: es schmeckt. Hier und da kann noch etwas optimiert werden, aber im Grossen und Ganzen stimmt für mich die Bewertung. Den Service fand ich manchmal etwas hölzern, aber ich bin ja kein “normaler” Gast und zeige dies auch, insofern kann ich das Nachsehen. Wie im Text schon geschrieben waren meine Highlights der Wolfsbarsch und das Hauptgericht.
Webseite: Sterneküche Schwarzwald | Gourmet Restaurant Mühle Schluchsee













































































































