Besucht im Juli 2026
Abendessen
Bewertung: Ein Michelin-Macaron
Der Kanton Aargau in der Schweiz, im Osten begrenzt von der Kantonshauptstadt Aarau, im Westen von Spreitenbach, im Süden von, sagen wir mal, Sins und im Norden von Rhein und der deutschen Grenze, ist und bleibt kulinarisch arm, was die gehobene Gastronomie betrifft. Nachdem das Skins geschlossen wurde, kulinarische Konzepte sich in Baden nur kurz halten können und in Brugg in der Brasserie das gesamte Küchenteam entlassen wurde, bleiben im Michelin nur wenige Adressen, unter ihnen das Fahr in Sulz und das Rosmarin in Lenzburg, jeweils einfach besternt.
Im Rosmarin war ich noch nicht und wollte dies nun nachholen. Am letzten Tag vor den Sommerferien buchte ich also einen Platz an der Küchentheke. Ist das Restaurant voll gebucht, gibt es auch noch weitere Tische in einer Art hellem Gewölbekeller. Das Restaurant befindet sich unterhalb des Strassenlevels. An diesem Abend wurden 9 Gäste an der Küchentheke bewirtet. Die Speisen werden vor den Augen der Gäste vom Inhaber und Küchenchef und einer Köchin zubereitet und serviert.
Zur Auswahl steht ein Überraschungsmenü mit 5, 6 oder 7 Gängen. Das Menü wechselt jeden Monat. Die Zutaten kommen hauptsächlich aus dem Kanton Aargau, einiges aus dem Rest der Schweiz und wenig aus dem Ausland. Nachhaltigkeit wird grossgeschrieben: keine Tischdecken, Besteck bis/mit Hauptgang möglichst wiederbenutzen, ein Weinglas für die gesamte Begleitung. Eine Weinbegleitung oder eine alkoholfreie Begleitung wird angeboten. Man kann aber auch glas- oder flaschenweise aus der Weinkarte aussuchen. Ich entschied mich für 5 Gänge und die alkoholfreie Begleitung.
Am Ende des Abends bekommt man eine Karte mit einem Barcode, der zu einer recht ausführlichen Zusammenfassung von dem führt, was man gegessen hat. Das machte es recht angenehm für mich, musste ich mir doch keine Notizen machen.
Zum Aperitif nahm ich einen Sparkling Tea Royal No. 7 aus Österreich.

Rettich Rolle gefüllt mit Frischkäse und Kimchi Drops
Churro mit Morchel Crème und frisch gehobeltem Champignon
Kleines Tartelette mit Brokkoli Salat mit Curry Mayonnaise, Erdnüsse und Beeler Knolle Gelbe Rande in Yuzu gepickelt mit Macadamia Crumble und Himbeer Segmente
Die 4 Kleinigkeiten zum Apéro waren abwechslungsreich, deckten hauptsächlich die Geschmacksrichtungen sauer und Umami ab, ohne nicht auch teilweise Schärfe zu bieten. Auch texturell waren sie durchaus spannend.

Butter mit Beurre Noisette
Pflanzliche Butter mit Basilikum
Amuse:
Aargauer Maibock/Sommerbock Praline mit Trüffel Crème und Sommertrüffel
serviert mit einem Spargel Miso Sud mit Sesam Öl
Das Bild zeigt Brotservice und die letzten Grüsse aus der Küche zusammen. Die Praline war schlicht sensationell gut. Beim Sud mag man sich fragen, wo man im Juli weissen Spargel herbekommt. Hier wurde schlicht vorgearbeitet, indem man zum Ende der Spargelsaison diesen entsaftet und eingefroren hatte. Auch der Sud schmeckte sehr gut, denn er transportierte doch Spargelbitternoten; das Umami des Miso und auch die Fettfraktion trugen zum Genuss bei.
Das Brot war gut und die beiden Butterzubereitungen geschmacksintensiv.


angegossen von «Leche de tigre» und Koriander Öl
Begleitung: Verjus, Grüntee, Fleur de Sel
Das Korianderöl wurde für mich durch ein anderes Kräuteröl ersetzt. Der erste Gang stellte mit seiner Säure dann noch einmal alle Geschmackspapillen auf Null. Die Idee, eine Ceviche mit Gemüse statt mit Fisch zuzubereiten, war gut umgesetzt. Tomate, Chili, Paprika, Zwiebel und Gurken- und Zucchinikugeln bildeten die runde Basis, die mit dünnen Avocadoscheiben bedeckt war. Obenauf noch das geflämmte Stück Romana-Salat und die eingelegten Champignon- Viertel. Am Platz wurde noch der kühle Sud angegossen.

Begleitung: Gurkensaft, entalkoholisierter Weisswein, Mineral mit Kohlensäure, Thymianöl, Zitronensaft und Zitrone, Fleur de Sel
Recht aufwändig zusammengestelltes Gericht, besteht es doch aus 8 Komponenten, die im Vorfeld weiterer Vorbereitung bedürfen. Das Kimchi war mit dem Forellentatar vermischt und sorgte für eine nicht spitze aber etwas anhaltendere Schärfe. Das Gericht war geschmacklich gut ausbalanciert, die Kohlrabi-Zubereitungen passten gut dazu.

Begleitung: Rosmarinsirup, Schwarztee, Bergfeuer, Basilikum, Tomatensaft, abgeflämmter Rosmarin
Gericht mit einer ungewöhnlichen Hauptzutat, die ich hier zum ersten Mal bewusst gegessen habe. Der sous-vide gegarte wilde Blumenkohl, der geschmacklich eher an Spargel als an Kohl erinnerte, war kurz in einem 800°-Ofen gegrillt worden. Durch die vielen Mitspieler, die Cremigkeit und Herzhaftigkeit beisteuerten, wurde das Ganze recht spannend.

dazu Parmigiana mit Basilikum Crème, Parmesan- und Reischips
Begleitung: Asam-Tee, wilder Heidelbeersaft
Mehr oder weniger klassisches Wildgericht ohne Experimente bei der Zubereitung des Rehfleisches. Als sauer, fruchtige Komponente hier eine Art Kompott aus Himbeeren und Blaubeeren, klassischer, dunkler Wildjus und eine Parmigiana als Gemüsebeilage. Auf eine Sättigungsbeilage wurde verzichtet. Das schmeckte alles sehr gut, besonders das tadellose Fleisch mochte zu begeistern.

Schokoladen Catalane mit Himbeer Sorbet, Himbeer Espuma und Waldmeister Kaviar, Tuille
Beim Pré-Dessert konnte man die Schokoladenzubereitung in der dunklen Schüssel erst gar nicht erkennen. Himbeer und Schokolade passt gut zusammen. Interessant der selbstgemachte Waldmeister-Kaviar. Aus Waldmeister wird hier auch ein Sirup hergestellt.
5. Gang:


Erdbeer Frischkäse Espuma mit Granola, Erdbeer und Rhabarber Coulis, Rhabarber Sorbet und Meringue
Begleitung: Waldmeistersirup, Rhabarber-Erdbeer-Püree, alkoholfreier Sekt, Zitronenverbene
Beim Hauptdessert konnte man unter der Meringuescheibe erst einmal wenig erkennen. Erdbeere passt klar, Rhabarber vielleicht etwas weniger zur Saison. Sorbet und Espuma waren gut umgesetzt, Granola steuerte Knusperspass bei, auch wenn ich es teilweise zu hart fand. Alles in allem gefiel mir dieses Dessert gut.

Passionsfrucht-Ganache mit schwarzer Schokolade
Macaron
Quarkbällchen mit Vanille
Sauerrahm Tartelette mit Schokoladen-Ganache
Zum Abschluss gab es noch einmal vier süsse Kleinigkeiten, die alle gut gefielen.
Fazit
Das hat alles gut bis sehr gut geschmeckt. Ich war nach den 5 Gängen satt.
Sehr persönliches Abendessen, ist man doch sehr nah am Geschehen und es findet eine rege Kommunikation statt, so man denn will. Die auch vor dem Gast zubereiteten Getränke, die dann in der Summe die Begleitung ausmachten, haben mir sehr gut gefallen. Der Guide Michelin liegt in seiner Bewertung hier richtig.
Webseite des Restaurants: Restaurant Rosmarin – Philipp Audolensky























































































































