Besucht im Januar 2026
Abendessen
Bewertung: Ein Michelin Macaron, grünes Kleeblatt
Es ist schon lange her, dass wir zuletzt im Zeik waren. Es war damals unser erster Restaurantbesuch nach einem der COVID-19-Lockdowns und wir hatten draußen auf der Terrasse an der Sierichstraße gesessen.
Inzwischen hat sich hier viel getan. Ein Michelin-Macaron zieht jetzt mehr Gäste an und es gibt einen wochentagsabhängigen Menüpreis. Das Konzept ist gleichgeblieben: regional, saisonal und nachhaltig, wo immer es geht. Deshalb ist das Restaurant auch zusätzlich mit einem grünen Michelin-Kleeblatt ausgezeichnet. Zum Beispiel wird nicht automatisch zu jedem Gang neues Besteck aufgedeckt, sondern gefragt, ob man es behalten will. Man kann, muss aber nicht.
Da wir momentan eine Location für ein Fest suchen, dachten wir uns, hier sozusagen zur Probe zu essen. Innen drin gibt es zwei Räume, einen Gastraum hinten für 10 Personen und einen grösseren mit 22 Sitzplätzen – nicht so ideal für eine Feier mit vielen Personen. Wir hatten unsere Plätze im hinteren Raum und fanden, am Platz angekommen, ein dunkles Couvert mit persönlicher Begrüssung und zwei Menükarten vor – eine Vorstellung der aktuellen zwei Menüs, omnivor und vegetarisch, inklusive Weinbegleitung und Vorstellung des Teams und eine Karte mit genauer Beschreibung von allem, was in den einzelnen Gängen verarbeitet wurde. Das war für mich sehr gut, musste ich diesmal doch fast nichts mitschreiben.
Wir bestellten dann einmal vegetarisch, einmal omnivor und einmal gemischt. Ich orderte dazu noch drei Gläser aus der Weinbegleitung und die anderen Gäste neben stillem Wasser hausgemachtes Ginger Ale und Zeik Cola.
Begrüßung und Einstimmung in das Menü
Auf das Menü eingestimmt wurden wir mit vier Variationen zum Thema Pilz. Das versprach viel, sind solche Zubereitungen doch meist voller Umami. Wir bekamen auf dem Deckel einer Holzkiste ein Schälchen mit einem

2. Apero (rechts)
glasierter Champignon
Käseschaum
Liebstöckel Julien
Ein kleines Sandwich 3. Apero (links)
Zwischen zwei Pilzchips befanden sich Pilzragout
Hefecrumble
Zitronenessig und
eingelegte Krause Glucke

In der Kiste befanden sich der 1. Apero (rechts)
Tartelette
Hefe Mayo
Sphäre gefüllt mit Bobbel Pilzsuppe
ausgestochener Kräuterseitling und
Fichtenessig
und der
4. Apero (links)
Ein Berliner gefüllt mit Pilzcreme und bedeckt mit Johannisbeer-Lack.
Das war alles sehr gut abgeschmeckt, abwechslungsreich in den Texturen und zeigte tatsächlich viel Umami. Ich fand, dies war ein sehr guter Einstieg.

Das Amuse -Rettich- beendete den Reigen der Einstimmungen.
geräucherte Molke + Zitrone
eingelegter Rettich
Wildkräuter
Asche
Eigelbcreme
Rettich in Sellerie-Pilz eingelegt
Der Rettich war hier geschmacklich sehr schön herausgearbeitet und wurde durch die Molke sehr gut unterstützt.

Brot+Butter
Brotteig (70 g/1 Brötchen)
Röstzwiebelbutter (gebrannter Zwiebeljus, Thymianöl?)
Sehr gutes warmes fluffiges Brot und dazu eine Zwiebel-intensive aufgeschlagene Butter als separater Gang, der hernach abgeräumt wurde.

Weinbegleitung: 2024 Etna Bianco, Graci, Sizilien, Italien
1. Gang -Winterspargel-
Schwarzwurzel Mousse
Schwarzwurzel Röst Sud
Schwarzwurzel Ragout
Schwarzwurzel Milch Gelee
Schwarzwurzel Chip
Seespargel (Salicorn)
Zitronenzeste
Spargel Eis
eingelegter Spargel
Schwarzwurzel Schaum
Auf dieses Gericht war ich ziemlich neugierig. Das Zeik hat ein sehr gutes Instragram- Profil und ich hatte dort schon eine Beschreibung des Gerichtes gelesen. Es ist quasi Spargel hoch drei – Sommerspargel, Winterspargel, Seespargel. Die Eiscrème unter dem Schwarzwurzel-Schaum war aus gerettetem, weissem Sommerspargel in Form von Spargelessig hergestellt worden. Die Schnitte hatte dann ausschliesslich den Winterspargel = Schwarzwurzel in verschiedenen Zubereitungen als Zutat. Abgerundet wurde das Ganze durch Zitronenzesten für die Frische und Salicorn (= Seespargel). Tolle Idee, gut umgesetzt und sehr gut vom Geschmack.

2 . Gang -Karotte-
marinierte Karottenstreifen
Karottenstampf
Karottenragout
Karottenmousse
Karotten Buttermilch Sauce
Kräuteröl
Kräuterstrauß on top

Knusperrolle
Gefüllt mit Rauchkarottenpüree
Zwiebel Vinaigrette
Auch der zweite Gang wurde auf Instagram schon präsentiert. In einem Päckchen aus marinierten Karottenstreifen verbarg sich Stampf, Ragout und Mousse der Karotte. Obendrauf eine schönes Kräutersträusschen und das Ganze umgeben von einem Sud aus Buttermilch und Karottensaft. A part wurde ein knuspriges Röllchen mit geräuchertem Karottenpürée gereicht. Das fanden einige am Tisch ganz hervorragend, andere ganz schrecklich. Räucheraromen mag nicht jede/jeder.

3. Gang -Topinambur-
Rauch Hollandaise
geröstete Topinambur Sauce
Topinambur Stampf
Birnen Gelee
Topinambur Chip
Haselnussmousse
Haselnusspesto
Topinambur Schaum
Dieses Gericht zeigte eine komplett andere Aromenwelt mit einer Art Haselnusspraline, die entfernt an Nutella erinnerte, welche auf einer im Schaum nicht sichtbaren grösseren Scheibe ruhte.

Weinbegleitung: 2023 Chardonnay “Leithaberg”, Wagentristl, Neusiedlersee, Österreich
4. Gang -Kabeljau-
Kabeljau gebeizt
Krustentier Glace
Krabben
Frühlauch fein geschnitten
Kapern Zitronen Sauce
Kapern frittiert

Hefekloß
Krabbenfüllung
Perfekt gegartes recht kleines Stück Kabeljau bedeckt mit einer Krustentiergelee-Scheibe, darauf Krabben und Kapern. Die umgebene Sauce war mir zu zitronig. Hier hätte ich eine klassische Bisque oder einen Krustentiertee bevorzugt – Geschmackssache.
Im vegetarischen Menü

4 . Gang – Steckrübe-
Steckrübe geschmort
Steckrüben Stampf
Steckrüben Sauce
Meier Zitronen Segment
Zitronengelee
frittierte Kapern
Hefekloß gefüllt mit
Steckrüben Vanille Ragout

Raviolo gefüllt mit fermentierter Kohlrabi-Crème, Kohlrabischaum, Schnittlauch
Während an anderen Tischen ein Zusatzgang mit rote Beete serviert wurde, bekamen wir diese wohlschmeckende Kohlrabi-Kleinigkeit. Das wäre gar nicht nötig gewesen, war aber eine nette Geste.

Weinbegleitung: 2018 Demoiselle Sociando Mallet, Château Sociando Mallet, Haut Médoc, Frankreich
5 . Gang -Reh-
Rehrücken
Selleriepüree
Walnuss kandiert
Walnuss Sellerie Praline
Sellerie Lack
Sellerie gehobelt
Apfel gehobelt
Liebstöckelstreifen
Selleriestreifen
Petersilienstreifen
Im Hauptgang wurde Rehrücken serviert. Dieser war ganz zart, hatte aber eine andere Textur als wenn er nur klassisch im Ofen gegart worden wäre. Ich vergass, nach der Garmethode zu fragen. Als Frucht-/Säurekomponente dienten die dünnen Apfelscheiben obenauf, die dort abwechselnd mit Sellerie platziert waren. Der Jus war gut, das Pürée fein. Der Sinn der kalten, recht grossen Wallnuss-Sellerie-Praline erschloss sich mir nicht.
Der Wein, ein klassisches Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot mit 10% Cabernet Franc passte gut dazu.
Im vegetarischen Menü
5. Gang -Sellerie- Sellerie Püree

Walnuss Mousse
Walnuss kandiert
Sellerie Terrine
Sellerie Püree
Walnuss Sellerie Praline
Röstjus
Hier wurde der Rehrücken durch eine gefüllte Sellerierolle ersetzt. Der Geschmack der dunklen Füllung erschloss sich so recht nicht.
Der Anfang vom Ende

DAVE -Sandddorn-
Sanddornsorbet
Hirsesalat
Peterschaum
Nougatcreme
karamellisierte Quinoa
gepuffter Buchweizencrunch
Sehr schön frisches Pré-Dessert, in dem der “Peterschaum” nicht zu “petersilig” und das Sanddorn-Sorbet nicht zu sauer waren.



6. Gang -Mandarine-
Mandarinensorbet
Quarkmousse
Mandarinen Gel Füllung
Mandarinen Estragon Sud
Estragonöl
Mandarinen Krokant
gestockter Quark
geflämmte Mandarine
Kakaobutter-Sticks
Tolles Dessert rund um das Thema Mandarine und Quark. Gefiel der Mehrheit am Tisch sehr gut.
süßer Ausklang

Petit Four
1. rechts
Sphäre gefüllt mit Bratapfel Crème und Apfelkompott
Crème Patissiere
Mürbteig
2. unten
Kaltes Rum Parfait
eingelegte Rosine
3. links
Praline Blaubeere
Dies war ein schöner Abschluss mit drei Kleinigkeiten, die etwas vom sonst Üblichen abwichen.
Fazit
Durch die richtige Wahl der Portionen geht man nicht übersättigt nach Hause. Die Küche ist leicht. Nicht alles gefällt jedem. Der Service ist aufmerksam, beim Wasser wurde beispielsweise gefragt, ob man bis zum Hauptgang jeweils eine neue Flasche bringen darf. Man wird geduzt.
Auch wenn es sich etwas versteckt, wird hier viel mit Selbstfermentiertem gearbeitet. Das ist nicht jedermanns Sache, kann es doch überraschende Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben. Ich habe es zumindest hinterher gespürt.
Gegenüber unserem ersten Besuch ist eine klare Weiterentwicklung zu erkennen. Die Bewertung ist verdient.
Webseite des Restaurants: Zeik Hamburg: Fine Dining in Winterhude • Willkommen!

















































































































