Besucht im August 2024
Mittagessen
Bewertung: Ein Michelin Macaron
Gestartet wurde mit den gleichen guten Snacks (grüne, schwarze Olive, Paprika – ohne Foto) und vier verschiedenen Tapioka-Chips wie letzte Woche. Der Paprikahülle fehlte ein wenig der angenehmen Schärfe von letzter Woche.

Kartoffel-Taco gefüllt mit Gambero rosso, Liebstöckel-Mayonnaise, Sesam, Mandelpulver und verschiedenen Kräutern. Koriander war für mich durch glatte Petersilie ersetzt worden.
Daneben gab es einen Bao gefüllt mit Limettencrème. Auf dem Bao befand sich ein Stück Scampi und eine Nocke Ossietra-Kaviar.
Beide waren gut. Der Taco gefiel mir etwas besser. Wer schon einmal in Asien war, weiss wie Baos sein können. Hier war mir der Teig etwas zu dick, im Mund bekam ich nicht so viel von der Limetten-Crème mit. Die Krustentiere auf den beiden Snacks waren ohne Fehl und Tadel.
Dann wurden Brot, Pane Pergamena und toskanisches Olivenöl serviert wie beim letzten Mal (ohne Foto).

Diese Woche gab es Thai-Basilikum-Crème, Auberginen-Tatar, kandierte Zitrone, Sesam, Kerbel, Oxalis-Blätter aufgegossen mit Tomatenwasser. Das aromatische Tomatenwasser verband die Zutaten auf ideale Weise. Die Komponenten bestachen durch ihren Eigengeschmack, speziell die Aubergine.

Tomato-Carpaccio — Sicilian Almond, Compressed Watermelon, Lemon Thyme
Auf diese Vorspeise hatte ich in der Woche zuvor schon einen Blick am Nebentisch erhaschen können und war gespannt darauf, wie es schmeckt. Auf einer feinen Mandelcrème waren dünne Scheiben Wassermelone und darauf mindestens vier verschiedenen Tomatensorten (grün, gelb, rot und sehr kleine Cherrytomaten) platziert worden. Alle farbigen Komponenten waren über längere Zeit mariniert worden u.a. unter Zuhilfenahme von Wermut. Frühlingszwiebel, eine grüne Crème und Mandelstückchen komplettierten den Teller. Dieses Gericht adressierte die feinen subtilen Aromen – die Cremigkeit der Mandel, das Umami der Tomate und eher der Gurkengeschmack der Wassermelone. Hier war eine Sorte gewählt worden, die kaum Süsse zeigte – genau richtig.

Paprika aus Senise — Trumpet-Zucchini, Schwarzer Knoblauch
Fusillone — Pietro Massi
Senise Pepper Extraction, Trumpet Courgettes, Black Garlic
Ganz anders war dieser Teller. Hier wurde in punkto Aromenstärke und Würzung richtig Gas gegeben. Mayonnaise vom schwarzen Knoblauch, Crème vom Trompeten-Zuchini, in Olivenöl angeschwitzte Blätter der Austernpflanze, getrocknete Kapern und als Sauce ein Paprikaextrakt, der ordentlich mit Peperoncini “gewürzt” waren die Begleiter von Fusillone eines Top-Produzenten aus den Marken in Italien. Ich hatte während des Verzehrs den Eindruck, dass in irgendetwas Anchovies oder ähnliches verarbeitet wurden. Man bestätigte mir aber, dass das Gericht 100% vegetarisch sei. Es mussten die Blätter gewesen sein, die wohl tatsächlich ein wenig nach Auster schmecken sollen. Dieses Gericht war wirklich eine gute Wahl.
Nun wollte ich eigentlich gehen. Die Arbeit rief. Man hatte aber etwas Spezielles für mich vorbereitet und fragte, ob ich nicht noch bleiben wolle. Ich blieb.


Ein sehr spezielles Dessert wurde für mich am Tisch zubereitet: Stickstoff-Eiscrème. Dieses Dessert wird eigentlich nur am Abend angeboten. Die natürlich offensichtliche Zubereitung weckte dann Begehrlichkeiten bei anderen Mittagsgästen.
Solch eine Eis hatte ich zum letzten Mal im Dinner by Heston Blumenthal im Mandarin Oriental Hotel in London. Das Prinzip hier ist aus einer Vanilleeis-Grundzubereitung mit Hilfe von -196 °C kaltem Stickstoff aus der Thermoskanne innerhalb von Minuten mit einem Schneebesen in der Kupferschale eine Vanille-Eiscrème herzustellen. Was ist so besonders am Endprodukt?
Der feine Schmelz – bei der Kristallisation gibt es zwei verschiedene konkurrierende Prozesse: die Keimbildung und das Kristallwachstum. Kristallisiere ich schnell dominiert der erste Prozess, kristallisiere ich langsam der zweite. Schnelles Kristallisieren produziert dann aus vielen Keimen kleine Kristallite und dies äussert sich auf der Zunge als unübertroffenen Schmelz. Das war nun ein kleiner Exkurs in Kristallisationskinetik.
Dazu wurden folgende Kondimente serviert: Mandelcrumble, Schokoperlen, Meringue, Himbeerschokolade und Atsina-Kresse mit Anisaromen. Das Eis hätte aber auch gut allein ohne all die Begleiter bestehen können.

Cheesecake/Grapefruit, Matcha-Praliné, Profiterole: Brandteig/Karamell/Schokolade
Diese Woche wurde das Fruchttopping des Cheesecakes variiert. Es war nun Grapefruit.
Speziell den Profiterole fand ich sensationell gut.
Fazit
Wie schon letzte Woche muss ich der Küche ein sehr hohes Niveau attestieren. Hier ist alles ausser gewöhnlich. Ich war mit meiner Wahl sehr zufrieden. Am Schluss habe ich mich noch der offenen Küche genährt. Hier wurde vor nicht allzu langer Zeit eine Molteni-Ausstattung inklusive Horizontal-/Vertikalgrill installiert. Molteni ist sozusagen der Rolls Royce unter den Küchen. Wer’s kann, kann damit viele schöne kulinarische Dinge anstellen. Man kann hier.
Website des Restaurants: Eden Kitchen Zurich | La Réserve Eden au Lac Zurich (lareserve-zurich.com)


















