Besucht im Februar 2026
Abendessen
Bewertung: unbewertet
Omakase bedeutet soviel wie “Ich überlasse es Ihnen.” Der Koch entscheidet, was serviert wird. So kann er auch darauf reagieren, was tagesfrisch an guten Produkten für ein mehrgängiges Menü zubereitet werden kann. Im Falle des Shio kauft man als Gast im Voraus ein Ticket für ein 12-gängiges Omakase Menü in einer Schicht. Wir hatten für die erste Schicht um 17 Uhr gebucht.
Das Restaurant im Schanzenviertel betritt man durch eine Tür in einem Hinterhof. Im Erdgeschoss wurde gerade an einer weiteren Theke aus hellem Holz gebaut. Hier soll später der Handroll-Day zu einem ständigen Angebot ausgebaut werden. Auf einer engen dunklen Treppe geht es nach oben und hinter einem Vorhang links betritt man den Gastraum.
In diesem befindet sich links in der Ecke ein Dry-Aging-Kühlschrank und in der Länge eine Theke, an der zehn Personen Platz nehmen können. Zwei Köche und eine Köchin führen durch den Abend und ein Sommelier berät und gibt zusätzliche Informationen. Das Restaurant war in unserer Schicht ausgebucht.
Nachdem die Wasserfrage geklärt war, bestellten wir einen Sparkling Tea Jasmin Saicho mit Apfel-Sorbet I Litschi I Vanillearomen und einen Sake Fukii Lapislazuli Ishikama mit den
Eigenschaften Säure I Umami I lang. Diese begleiteten uns durch den Abend. Die Getränkekarte hat auf zwei Seiten Platz. Das finde ich in Ordnung.

Man konnte die Köche gleich von Anfang bei der Vorbereitung des ersten Gangs beobachten, in diesem Fall Portionierung eines zweifarbigen Thunfisch-Tatars in Keramikschüsseln.
In der Folge wurden in einer Box die Fisch- und Meeresfrüchtezutaten präsentiert.

Trockengereifter Fisch: Gelbflossenmakrele, Wolfsbarsch, Glattbutt in Sake getränktem Kombu eingewickelt, White Tiger Garnele (Ebi), Hummerschwanz, Norwegische von Tauchern geernetete Jakobsmuschel, Imperial Kaviar, Wasabi

Bluefin Thunfisch Tatar (Akami, Chu-Toro), Reis, Shiso, Crystal Soja Sauce, Miso Nori Mayonnaise, Togarashi, Yuzu-Essig
Dies war ein ziemlich starker Einstieg, wurden doch zwei sehr gute Thunfischschnitte mit spannenden Begleitern präsentiert.


Miesmuschel-Miso-Suppe, geflämmte Garnele, Lauch, in Sojasauce eingelegtes Wachtel-Ei. Die Miso-Suppen-Basis fand ich weniger intensiv als in anderen Restaurants dieses Stils. Die Garnele hatte noch etwas Fleisch und hätte den Kopf aussaugen können, wenn man wollte.

Sashimi vom trockengereiften Adlerfisch, Grapefruit Fenchelsalat, Buttermilch Dashi, Süsskartoffelstroh
Der Fisch hatte optimale Qualität und die anderen Zutaten auf dem Teller fügten genau die richtigen Aromen und Texturen hinzu, die diesen Gang zu einem Genuss werden liessen.
Mit diesem Sashimi-Gang endeten die Vorspeisen, bevor es zu einer Sequenz von Nigiri ging.
Der erste Blick in das mit einem Tuch bedeckte Holzfass mit dem Reis offenbarte für mich Erstaunliches: hellbrauner Reis. Nach Rückfrage wurde gesagt, dass man Reis aus Taragona/Spanien benutze der wegen des verwendeten Sushi-Su dunkel wird. Sushi-Su wird oft als Reis-Essig aber auch Reismarinade übersetzt. Diese hier mit dunkler Farbe sollte für mehr Geschmackstiefe sorgen. In der Folge stelle ich die verschiedenen Nigiri vor, ohne Kommentar.




Hierzu doch ein Kommentar: Bei Vorstellung der Zutaten am Anfang des Abends wurden hohe Erwartungen geschürt an die Qualität dieser von Tauchern handgeernteten Jakobsmuscheln aus Norwegischen Gewässern. Diese wurden tatsächlich erfüllt. Auch wenn man von den vielen verschiedenen Zutaten dieses Nigiris den Eindruck haben könnte, dass sie zu sehr von der Muschel ablenken, war dies nicht der Fall und ihre Qualität konnte glänzen.


Auch hierzu ein Kommentar: Den Zuschnitt der beiden Thunfisch-Nigiris konnte man komplett vom aus dem Dry-Ager entnommenen Stück beobachten. Das habe ich so noch nie gesehen. Meist kommen die fertig parierten “Filets” aus Boxen und nur die Scheiben werden noch geschnitten. Bei der Ware handelte es sich um Balfego-Thunfisch aus Spanien, sodass man allerhöchste Qualität erwarten konnte und auch bekam.



Hummer Florentine: Spinat, geflämmter Hummerschwanz, Nussbutter, Aal-Teriyaki, Aalsaucen Hollandaise, Togarashi, Croutons, Schnittlauch
Dieses Gericht ist als Hummer-Florentine bekannt. Bei der Vorbereitung hatte ich den Eindruck, dass als Erstes Wakame auf den Teller kam. Es stellte sich aber heraus, dass es sich um Spinat handelte – sozusagen das Wakame des Nordens. Hummer-Florentine ist ein Gericht aus Hummerfleisch, das auf einem Bett aus Spinat serviert und oft mit einer cremigen Sauce begleitet wird. Hier lenkten die Zutaten etwas von der Qualität des Hummers ab. Es war aber insgesamt trotzdem ein gutes Gericht.

Dessert: in Yuzu, Sojasauce und Austernsaft eingelegte irisch Moor Auster, Yuzu-Hafermilchschaum
Das Dessert stellte sich als ungewöhnlich heraus. Nicht süss. Die Auster hatte durch das Einlegen eine etwas festere Struktur bekommen, was zum Gefallen von nicht-Austern-Fans beitrug. Der Schaum trug gut passende Zitrus-Aromen und etwas Säure dazu bei. Sehr gut.

Nach Ende des offiziellen Teils wurde noch eine Afterdinner-Karte präsentiert, auf der Digestifs und einige Extra-Nigiris zu finden waren. Wir entschieden uns für die Chefs Choice, die aus einem Yellowtail und einem Ebi-Nigiri bestanden.
Ich nahm auch einen Yuzu Sake, der einen niedrigen Alkoholanteil zu haben schien.
Fazit
Dieser Abend war sehr “entertaining”. Ist Omakase bei Japanischen Meistern meist eine stille Angelegenheit, gab es hier einen regen Austausch zwischen dem Restaurant-Team und den Gästen. Das ist speziell für Esser sehr lehrreich, die zum ersten Mal Omakase geniessen. Auch die Speisen selbst kann man nur loben. Qualität der Zutaten und Zubereitung sind fast makellos. In Hamburg ist dieser Stil Restaurant meines Wissens einzigartig. Für Puristen, die Hochqualitäts-Sushi aus Japan und anderen Metropolen kennen, ist dies eher nichts. Kurzum: Wir haben den Abend sehr genossen und kommen wieder.
Website des Restaurants: Shio – Omakase Bar Hamburg























































































































































































