Besucht im April 2026
Mittagessen
Bewertung: zwei Michelin Macarons
Mit diesem omnivoren Mahl komplettiere ich den Zyklus von vier Saisons im 100/200. Dieses Mal sassen wir im hinteren Bereich des Restaurants mit seitlichem Blick auf den Pass. Der Chef war heute auch anwesend und man konnte ihn in der offenen Küche dabei beobachten, wie er Krebsfleisch aus seinen Schalen befreite. Offensichtlich eine Zutat, die für ein Gericht im Glorie, dem à la Carte Restaurant, verwendet wird.
Da das Überraschungsmenü durch Erwerb eines Tocks schon gewählt worden war, bleibt nurdie Entscheidung zur Getränkebegleitung. Wir entschieden uns für je eine halbe Weinbegleitung.
Wie üblich starteten wir an der Schaubar mit einem ersten “Happen”.

In der Saison Feld & Flur werden unter anderem die eigenen Rinder geschlachtet und von Kopf bis Fuss verarbeitet. Der Happen war eine Sülze von hochstehender Qualität. In Sülze werdenja normalerweise die weniger wertvollen Stücke eines Tieres verarbeitet. Dies entspricht auch der Philosophie des Hauses.

Die im Menü verarbeiteten Produkte werden hier präsentiert. Daneben kann man auch noch einen Blick auf die beiden Trockenreif-Schränke neben dem Eingang werfen.

Links Rind, rechts Fjordforellen aus nordischen Gewässern von beachtlicher Grösse
Zurück am Tisch wurden zuerst Wasserkefir und dann die Einstimmung serviert, die die fünf Geschmackrichtungen abbilden sollten.

Von ein Uhr im Uhrzeigersinn:
Süss: Fenchel und Süssholz
Sauer: Tomate dehydriert/rehydriert, Limettenschale, fermentierte Johannisbeere
Salzig: Kristallbrot und Pilzcrème
Bitter: Olivencrème, Radiccio
In der Mitte Umami: Brühe mit Käse

Warmes Sauerteigbrot, Joghurtbutter mit Schnittlauch-, Rosmarin- und Chili-Öl

Weinbegleitung: Reigen Fermentation, Sake, RIFESCH, Berlin, Deutschland
Auf einem ultrazarten Stück konfierter, angeräucherter Lachsforelle befand sich ein Schiffchen aus rohem und eingelegtem Rettich und Kräutern, welches man zuerst essen sollte. Dazu wurde am Tisch eine Sauce mit Dill-Öl, roten Bete-Stücken und Auster angegossen. Es ist erstaunlich, wie viel der Geschmack der Forelle durch das Trockenreifen gewonnen hatte.
Der im Glas gelbliche Sake dazu war ganz erstaunlich. Als relativ ruppiger Einstieg in die Begleitung angekündigt mit einem Bouquet, das mich ein bisschen an Silage auf dem Bauernhof erinnerte, und pur getrunken mit einem Geschmack von frischem Most, stellte er sich als sehr gute Kombination mit dem Essen heraus, verlor er dann doch den Mostgeschmack.

Weinbegleitung: 2020 Pinot Auxerrois “H” Vieilles Vignes Domaine Josmeyer Elsass Frankreich
Unter der Zabaione befand sich alles, was man beim Gericht Königsberger Klopse erwartet. Das Fleisch war nicht in Form von Klopsen, sondern gezupft pur darin zu finden. Dies war wieder ein typisches Thomas Imbusch Gericht, wie man es in fast jedem Menü hier findet – ein schlotziges, Umami-lastiges Löffelgericht, von dem man gern einen Nachschlag haben würde. Dazu gab es ein schon knuspriges Pomme Pavé mit Mayonnaise, eine Edelversion von Fritten mit Mayo.
Nach dem intensiven Einstieg mit dem Sake vom vorherigen Gang, benötigten die Geschmacksrezeptoren einiges an Neutralisation mit Brot und Wein, damit diese Wein nicht einen Eindruck von Belanglosigkeit hinterliess. Am besten schmeckte er nachdem man das Gericht aufgegessen hatte.

Weinbegleitung: 2021 Manzoni Bianco “Bauchgefühl” Nico Espenschied Rheinhessen Deutschland
In diesem Gericht waren die Schnecken verarbeitet worden. Man konnte am Pass sehen, wie jeweils drei davon von einem Grillspiess auf den Teller geschoben wurden. Ferner gab es frittierten Estragon, Dill und Petersilie, gegrillte Oliven und Gemüse bestehend aus Aubergine und Paprika. Am Tisch wurde eine Safransauce angegossen. Das schmeckte gut und war spannend bezüglich der Texturen, einem Gast fehlte ein bisschen die Frische.
Manzoni Bianco ist eine recht junge, ursprünglich aus Norditalien (Südtirol und Venetien) stammende Kreuzung aus Riesling und Weissburgunder.


Weinbegleitung: 2022 Réserve Ventoux Domaine de Faverand Rhône Frankreich
Das Hauptgericht bestand aus zwei übereinander geschichteten gegrillten Stücken Rindfleisch bedeckt mit einem Kräuterboquet und einer Gelscheibe. Dazu gab es eine Pfefferrahmsauce.

Das Signature-Dish des Restaurants wurde wie üblich mit Pilz-Kombucha mit Kakao serviert. Der Toast selbst ist seit einiger Zeit unverändert, aber nach wie vor sehr gut. Noch einmal zur Wiederholung: Es ist zubereitet mit 24 Monate gereiftem Gouda, altem Essig und dünn gehobeltem Champignon de Paris


Weinbegleitung: Rancio Sec Blanc “Ranfio Cino” Sous Voile Domaine Vial-Magnéres Roussilon Frankreich
Für das Dessert war ein Ring aus Olivenparfait mit einer Schokoladenscheibe bedeckt worden. Am Tisch wurde dann warme Schokoladensauce auf die Mitte gegossen mit der Idee, dass diese ein Loch in die Scheibe schmilzt. Das funktionierte bei meinem Lunchpartner gut, bei mir nicht, wie auf dem Foto ersichtlich. Das störte mich aber nicht. Im Zentrum des Rings befand sich noch hellbraune Pralinencrème (Haselnuss), salzige Pistaziencrème und Himbeergelee.
Das Olivenparfait kannte ich schon vom letzten Mal. Damals gefiel mir das Dessert etwas besser, war die Kombination mit Karamelltarte und Sojagelee schlichtweg sensationell.
Die Weinbegleitung hatte viel von einem Sherry, sowohl vom Bouquet als auch vom Geschmack.

“Butter ist Dein Freund, Margarine will Dich töten”
Als abschliessendes Dessert wurde ein weiterer Klassiker des Hauses zusammen mit sehr guter Crème Chantilly serviert.

Gelb: Zitrone
Rosa: Himbeere, Rose
Weiss: Trüffel
Unser Favorit: Himbeere, Rose
Fazit
Das Menü hat uns sehr gut gefallen. Für mich blieb diesmal ein absolut herausstechendes Highlight wie die Tartes (Vorspeise/Dessert) der letzten beiden Besuche aus. Am besten gefielen mir die Sülze, die Forelle und das Schlemmertöpfchen.
Ohne die Weinbegleitung würde man hier etwas verpassen. Diese ist keineswegs auf Massengeschmack ausgerichtet. Viele der Weine haben Ecken und Kanten und man würde sie niemals ohne Speisen trinken.
Mit dem Service war ich wieder sehr zufrieden. Für eine persönliche Note sorgte eine Karte mit handgeschriebener Widmung, die bei Ankunft bereits am Tisch wartete.
Die nächste Saison ab Mai “Wasser und Salz” versucht etwas Neues – komplett Krustentier-frei. Finde ich aus persönlicher Sicht schade, aber eröffnet Möglichkeiten für Gäste, die eben keine Krustentiere essen. Denn es gilt nach wie vor hier: gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Man könnte ja auch etwas aus der à la Carte Auswahl des Glorie dazubestellen…
Webseite des Restaurants: Restaurant 100/200 und das Glorie. Gourmetrestaurant in Hamburg






















































































































