Besucht im Oktober 2025
Abendessen
Bewertung: Zwei Michelin Macarons
Diese Reservation hatte ich schon sehr lang im Vorlauf getätigt und wurde dann davon überrascht, dass hier eine Übergabe stattfindet und sich Joachim Wissler zu Ende Oktober zurückzieht und eine andere Aufgabe im Althoff-Konzern übernehmen wird. Er glänzte aber auch an diesem Abend mit Abwesenheit, wie beim ersten Mal, als ich hier vor Jahren gespeist hatte.
Im Vorgang hatten wir uns intensiv mit dem Menü befasst, was sich zur dieser Zeit im Sommer/Herbst-Umbruch befand, und mit dem Restaurantleiter Herrn Strahl ausgetauscht. Schliesslich entschloss sich meine Dinner-Partnerin zum vegetarischen Menü und dem aufpreispflichtigen Wagyu als Hauptgang, einfach um all den nicht so beliebten Zutaten und Unverträglichkeiten aus dem Wege zu gehen.
Die Anfahrt und das Einchecken im Hotel klappte gut und rechtzeitig und so machten wir uns durch die Gänge auf, um innen in Schloss Bensberg zum Restaurant zu gelangen.
Am Platz gab es dann doch eine Überraschung, der Rehbock war von der Karte verschwunden und durch Taube ersetzt worden. Wir bekamen aber vom Nebentisch mit, dass über das Reh geredet wurde und ich konnte es dann doch noch als Hauptgang wählen.
Auch die Weinkarte hatte ich vorher studiert und mir den 2022 Sancerre Grand Reserve, Henri Bourgeois, Loire, Frankreich ausgesucht, der sich als sehr gute Wahl herausstellte und auch meiner Partnerin gefiel.
So konnte nun der Abend mit dem Auftakt starten.

Rechts: KLEINES TOMATENBAGUETTE & JABUGO BELLOTA
Sehr weiches fluffiges Baguette, das im Mund zu schmelzen schien. Beide sehr gut.

KNUSPRIGE WAFFELBLUME, SEEIGELFLAN & RADIESCHEN
Schöne knusprige luftige Waffel. Beide Geschmacksgeber, Artischocke oder Seeigel schmeckten sehr gut.

Ob der Grösse etwas schwierig zu essen aber ganz hervorragend, dieses knusprige Shisoblatt mit der Avocadocrème.

Tolle Kombination von Aromen und Texturen, die von der Esserin in einem Haps verspeist wurde.

Dafür war dieser Snack allein für mich und machte dort weiter, wo ich am Abend zuvor in Düsseldorf im Roku mit Toro-Upgrade aufgehört hatte. Für mich der beste der vier Snacks.

Den hatten wir uns auch geteilt. Unglücklicherweise war das Tatar unten, so dass der, der oben abbiss, davon wenig abbekam. Trotzdem gut.

Last but not least dieses spitz nach unten zulaufenden Cornet mit unbekanntem Inhalt. Obenauf könnte sich Frischkäse-Crème und vegetarischer Kaviar (Melone?) befinden.

Leche de Tigre Vinaigrette : Saiblingskaviar : Palourdemuscheln & Rauchlachscreme
Hervorragende Fischqualität gepaart mit einem aufwändig in kleine Scheiben geschnittenen sanft gegarten grünen Spargel. Die zur Rose geformte Hamachi ruhte auf einer milden Rauchlachscrème. Das ganze Gericht war geschmacklich optimal ausbalanciert.


Butternutkürbis : Kokosnuss : Rettich Kimchi : Krustentier-Gin-Nage & Dill
Nun wurde ein Potpourri aus ausgelösten Flusskrebs-Scheren, Kürbis und Rettich serviert. In einem separaten Tässchen gab es eine Krustentier-Gin-Nage und die war so sensationell (meine Partnerin nahm auch davon), dass wir uns noch ein zweites Tässchen wünschten und auch bekamen! Wir haben auch noch Ingwer und Zitronengras erschmeckt. Der Hauptteller war nicht ganz so beeindruckend. Das war zwar alles in Ordnung, aber auch nicht mehr. Ich hätte mir etwas mehr Salz gewünscht. Das Krebsfleisch war doch recht naturbelassen.

St. Michelle Muscheln & Safran Rouille Beignet, Salzzitronen-Steinpilzbouillon, Finest Harvest Lachskaviar
Dieser schön anzusehende Fischgang vereinte sanft gegarten und angeflämmten Wolfsbarsch mit einer stattlichen Muschel mit Algendekoration, ein Beignet gefüllt mit Safran-Rouille und getoppt mit sehr schönem grossem Ikura und dazu Fava-Bohnen?. Zusammengehalten wurde das Ganze durch die Bouillon. Etwas Speck und gehobelter Steinpilz sorgten für Salz und weitere Umami-Akzente.

getrüffeltes Selleriepüree : krause Petersilie, kaltgerührte Preiselbeeren, Kalbsschultersaft & Kapern
Auf diesen Gang hatte ich mich besonders gefreut, ist dessen Hauptzutat doch bei vielen Essern verpönt und findet ihren Weg deshalb selten auf eine Restaurantkarte. Ich erinnere mich, dass wir dies als Kinder öfter bekommen hatten. Auf dem Foto sieht es erstmal wie Wiener Schnitzel aus und paniert war es ja. Innen war es wunderbar weich und homogen, etwas weicher noch als Bries. Die Beilagen passten dazu, lenkten aber auch nicht von der Hauptzutat ab. Wunderbar.

Das warme Maisbrioche, erst jetzt vor dem Hauptgang serviert, war gut. Die Butter war nicht nach unserem Gusto – zu käsig.


Rosenkohl in Aalschmalz & Sanddorn, Maronenrösti : Sauce Rouennaise
Weinbegleitung: 2023 Spätburgunder Herrenberg Grosses Gewächs Jean Stodden, Ahr, Deutschland
Ich bin mir bei Betrachten des Fotos und Abrufen der Erinnerung nicht so sicher, ob die Beilagen auf dem Teller den auf der Menükarte aufgeführten entsprachen. Sicher ist, dass der Zylinder in der Mitte der aufgeführte Rehrücken ist und der war erwartungsgemäss sehr gut von Qualität und Zubereitung. Dieser war umgeben von einer Einfassung aus einer grünen Crème, die dann aus Rosenkohl zubereitet sein musste. In diese wurde am Tisch die Sauce Rouennaise eingegossen – schöne Idee. Bei zwei Uhr war sicher auch der Sanddorn als Alternative zu den bei Wild sonst üblichen Preiselbeeren zu finden. Ein weiteres Stück vom Reh befindet sich auf ein Uhr und eine halbrunde Strasse von weiteren kleinteiligen Beilagen um die grüne Crème herum.
Zusätzlich wurde noch ein rote Beete Taco mit Tomatencrème und Hirschschinken gereicht. Die ganze Zusammenstellung war gut, reichte aber nicht an das Rehgericht an gleicher Stelle von vor 6 Jahren heran, das vor allen Dingen einen sensationellen Satellitenteller hatte.
Nachfolgend das Menü meiner Partnerin. Ich konnte ein wenig von allem probieren – zu wenig, um ausführlicher dazu zu schreiben.

Tomaten-Ponzuvinaigrette, Wassermelone & Eifel Tomaten : wilde Keimlinge
Wir sehen auf dem Foto hauptsächlich die Wassermelonenscheiben, die Vinaigrette und das Stracciatella, das am Tisch aus einer ganzen Burrata entnommen und auf dem Tatar der hervorragend aromatischen Tomaten verteilt wurde. Die übrig gebliebene Burrata-Hülle wird an die Küchenbrigade verteilt, so hiess es. Ein frisches leichtes Gericht, das nicht so recht zum beginnenden Herbst passen mag.


feine grüne Bohnen & Artischocke, geräucherte Topinamburvinaigrette, Salzaprikose & Kartoffel-Buchweizenmadeleine

kleine Pfifferlinge : Spinatsauce, braune Butter
Dies wäre normalerweise das Hauptgericht des vegetarischen Menüs gewesen. Da meine Partnerin aber die Pfifferlinge so ansprachen, wurde es ausnahmsweise als Zwischengang ins Menü aufgenommen. Und es hatte sich wirklich gelohnt. Weitere Pfifferlinge versteckten sich unter dem Raviolo. Dies soll sehr gut gewesen sein.

Auch dies war phantastisch. Ravioli ohne Pasta, stattdessen hauchdünner Sellerie mit Radicchio-Crème gefüllt und von einer hervorragenden Käse-Champagner-Sauce umgeben. Ich konnte einen Raviolo probieren.

gegrillter Porree & Ochsenmark, gezupfte Ochsenschulter, confierte Portobello Pilze
Beste Fleischqualität, optimal gegrillt. Dazu hervorragende Sauce Béarnaise. Die geschichteten Portobello-Pilze waren kalt – sollte so sein. Das Knochenmark auf Porée mit Kaviar oben rechts landete in meinem Mund. Vom Fleisch und der Sauce Béarnaise gab es Nachschlag – noch einmal zweieinhalb Stücke, etwa so gross wie das auf dem Foto.


Grand Marnier Parfait : Haselnusscremeux, confierte Schwarzwurzel : MAGIC Grapefruit
Nach einer kleinen Pause wurde das Dessert serviert, welches für uns beide gleich war.
Ein wenig wurde am Tisch flambiert, aber nicht spektakulär, wie es in anderen Restaurants mit diesem Gericht auf der Karte üblich ist. In beiden Schalen war es nicht richtig süss. Der Crêpe befand sich übrigens zusammengefaltet in der Schale, die auf dem unteren Foto abgebildet ist. Schwarzwurzel in einem Dessert ist eher ungewöhnlich. Das war nicht schlecht, aber ich muss sagen, ich war weniger beeindruckt, als erwartet, geniesst die Patissière ja im Moment höchste Meriten.

Von 9 Uhr im Uhrzeigersinn: Bienenstich; Geeistes Matcha Himbeer Sandwich; Waldeichel bestehend aus Haselnuss, Ganache, Douglasie; Topfenmousse, Holundergelee Praliné; Champagner Diamanten
Das Traditionellste fanden wir am besten: Bienenstich.
Fazit
Das Essen war so hochklassig wie die Bewertung verspricht. Auch ins Konzept des vegetarischen Menüs wird viel Mühe investiert und das zahlt sich aus. Anders als in vielen anderen Restaurants wird nicht nur die carnivore oder pescetarische Hauptzutat ausgetauscht, sondern es werden komplett unterschiedliche Gänge von höchster Qualität angeboten.
Für uns beide war die Krustentier-Nage das absolute Highlight, für mich der Loup de Mer und das Kalbshirn, für meine Partnerin die Pfifferlinge und Sellerie-Ravioli.
Ich wusste es ja schon von meinem letzten Besuch, Service wird hier sehr gross geschrieben. Man geht noch ein bisschen weiter als in anderen Restaurants dieser Klasse. Wir fühlten uns sehr gut aufgehoben bei Herrn Strahl und auch den anderen Mitgliedern in seinem Team. Dass er wie wir ein Nordlicht ist und eine Historie in den grossen Hamburger Häusern hat, machte die Kommunikation nur noch einfacher und interessanter.
Webseite des Restaurants: Restaurant Vendôme – Grandhotel Schloss Bensberg















































































































































































