Besucht im August 2023
Abendessen
Bewertung: Ein Michelin Macaron
Ein Spaziergang vom Falkenried nach Hause, Appetit, Hochzeitstag – das waren die Zutaten, die uns ins Piment geführt haben.
Schauen wir Mal zum Piment, in dem wir nur vor Jahren anlässlich eines Schlemmersommer- Abendessens einmal gewesen waren. Und siehe da. Es hat geöffnet und es sieht innen drin so aus, als ob es Tische frei hätte. “Können wir bei Ihnen etwas essen?” “Ja, sehr gerne.” Walk-in perfekt.
Das Piment bietet zwei Menüs an, die sich drei der sechs Gänge teilen und die Menüs müssen nicht tischweise einheitlich genommen werden. Also sollte es das eine Menü für meine Frau, das andere für mich sein. Dazu nahmen wir einige wenige Gläser Wein.
Piment Menü Begrüssung

Diese Petitesse hatte alles, was man geschmacklich von einem Flammkuchen erwartet: Gebäck, süsse Zwiebel, cremige Crème Fraîche und einen Touch Majoran. Sehr gut.

In Hamburg wird mir das Signaturgemüse des Rüebli-Kantons Aargau serviert… Das war sehr gut gemacht. Im Glas hatten wir eine Karotten-Gazpacho mit Orangenblütenauszug, ferner war da ein Stück gepickelte Karotte mit Maracuja-Gel und Karotten-Chip und dann noch eine Praline mit flüssiger Füllung, die Aromen von Karotte, Kardamom, Vanille und Nelke preisgab. Alles sehr prägnant im Geschmack. Genau unser Ding.

Auch das Brot und die Aufstriche mochten so überzeugen, dass wir nachorderten. Sehr gutes helles fluffiges Sauerteigbrot mit einer Mutter von 2001 und dunkles Schottisches Brot wurden begleitet von wohlschmeckender Sauerrahm-Butter mit kandierten Mandarinen und Fleur de Sel und einem herrlichen Karottenpesto mit Kreuzkümmel. Kreuzkümmel ist eigentlich nicht so mein Gewürz. Hier aber wurde es in einer Dosierung eingesetzt, dass es schmeckbar aber überhaupt nicht dominant war. So lasse ich mir das gefallen.
Nun hatte das Menü noch gar nicht angefangen und wir waren schon begeistert. Das will was heissen.

Gamba Rosso -Eis – Krustentier-Creme – Melone
Weinbegleitung: 2022 Puilly Fumé Silex Domaine Chatelain Le Chailloux
Der erste Gang des Menüs Piment hatte sozusagen Krustentier von Nose-to-Tail als Thema. Hauptdarsteller auf dem Teller war die Gambero-Terrine. In der Mitte befand sich eine Aioli, die unter Zuhilfenahme des Krustentier- Bratfetts hergestellt war. Eine Tomaten-Krustentier-Eiscrème, Crumble plus eine Beere aus dem Corail und Himbeere und 3x Wassermelone vervollständigten dieses Gericht. Das war alles sehr stimmig und schmeckte ganz hervorragend.
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Tomato
Dieser wunderschön angerichtete Gang hatte ein dekonstruiertes Vitello Tonato mit add-on zum Thema. Ein exzellent abgeschmecktes Kalbstatar repräsentierte den Vitello-Teil und ein Eis vom Bauch des weissen Thunfisch fügte den Tonato-Part dazu, Perlen vom Tomatenconfit, Orangen?chutney und eine Vinaigrette gaben dem Gericht Frische. Auch dies war sehr stimmig in Komposition, Temperatur und Würzung und konnte nur begeistern.
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Pulpe der Kakaofrucht Weinberg-Pfirsich
Dieser Bericht ist etwas anders aufgebaut als sonst. Ich berichte erst über die Gerichte des Piment-Menüs, die vom Nouri Menü abweichen. Deshalb wird an dieser Stelle ein Dessert gezeigt.
Dieses vereinte Espuma und Crème Brulée von der Holunderblüte, eine Eiscrème von der Kakaofrucht, Crumble, eingelegten Weinberg-Pfirsich und Litchi und hatte alles, was ein sehr gutes fruchtig frisches Dessert braucht. Mir persönlich gefiel es etwas besser als das Dessert aus dem anderen Menü.
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Nouri Menü

Poulet au Citron Aromen
Happy war dieser Taler Foie Gras Terrine, weil er mit ungestopfter Gänseleber hergestellt wurde. Etwas geschmorte Zwiebel, Crumble, ein Chip und eine milde Zitronen-Eiscrème und Kugeln aus Hühnercrème waren auf dem fruchtigen Gelspiegel angerichtet. Die Terrine selbst war geschmacklich und von der Textur so, wie man diese Art der Zubereitung nicht besser herstellen kann.
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Smen Nussbutter
Der Gang, der in diesem Menü statt Vitello Tomato serviert wurde umfasste eine Tarte aus Blätterteig, darauf geschmorte Aubergine und eine Gelscheibe auf der sich schwarzer fermentierter Knoblauch und eine grüne Koriander-Sphäre befanden. Ein Olivenöl-Nussbutterschaum unter Verwendung von Smen, das ist Marokkanische geklärte gesalzene Butter, vervollständigte das Ganze. Meine Frau war mit diesem vegetarischen Gericht sehr zufrieden, ass die Koriander-Sphäre allerdings nicht.
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Zitronen Reis und Beurre Blanc
Identisch in beiden Menüs: Ein perfekt gegartes Stück Wolfsbarsch mit einer Kräuter- Paniermehl-Kruste hatte als Begleiter eine Brunoise aus gegartem mit Vanille abgeschmeckten Kohlrabi, auf der sich Zitronenreis befand. Ein schaumige Süssholz Beurre Blanc mit schöner Säure umgab die beiden festen Zubereitungen. Sehr schöner Fischgang, der uns beiden gut gefiel.
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Karotte • Frites
Identisch in beiden Menüs: Sehr zarte Pfaffenstücke vom Huhn, welche in der Tajine, dem typischen, spitz zulaufenden Tontopf geschmort worden waren. Zwischen die Fleischstücke waren frittierte Kartoffelspalten platziert. In der Mitte gab es ein Karottentörtchen mit Tajine-Gel, an der Seite noch eine gelbe Koriander-Safran-Crème und am Boden des Tellers einen Oliven-Ingwer Jus. Das schmeckte sehr gut.
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Topinambur • Zwiebel
Weinbegleitung: 2020 Chateau Prieuré Sainte Anne Cadillac
Identisch in beiden Menüs und auf der Speisekarte als “Überraschung Meat” angekündigt: Rücken vom Kalb des Rotwilds, d.h. ein Tier welches weniger als ein Jahr alt war, aus der Lüneburger Heide mit Brot-Kräuterkruste, geschmorte Zwiebel, Bastilla gefüllt mit Keulenfleisch, Topinambur mit Tomatengel und als Püree. Sehr schönes Wildgericht mit superzartem Fleisch, passenden Beilagen und leicht marokkanischem Touch.
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Rhabarber-Erdbeere
Weinbegleitung: Trockenbeerenauslese Goldschatz Oliver Zeter Pfalz
Das Dessert des Nouri-Menüs bestand aus Rhabarber-Kompott, Erdbeersorbet und Mascarpone-Kaffee-Crème auf einer Basis aus Marokkanischem Weizen (=Selou). Gut bis sehr gut.

Da wir gesagt hatten, dass es unser Hochzeitstag war, servierte die Küche uns noch ein kleines Cheesecake-Törtchen mit eingelegten Kirschen und Schokoladencrumble als Überraschung. Über diese Aufmerksamkeit haben wir uns sehr gefreut.
Fazit
Dieses kleine Familien-geführte Restaurant bietet aromenstarke Gerichte. Den Küchenstil kann man als französisch-Nordafrikanische Fusionsküche bezeichnen. Dabei ist das Ganze authentisch, kommt Wahabi Nouri doch gebürtig aus Casabalanca, d.h. es ist nicht angeeignet, wie bei vielen anderen Köchen und deren Teams, die vielleicht ab und zu Mal ein Gericht mit orientalischer Note servieren.
Herr Nouri hatte als Lehrmeister Harald Wohlfahrt und das Glück noch bei Eckard Witzigmann lernen zu können. Sein Sohn, der den Service fast allein mit etwas Hilfe aus der Küche bestritt, hat seine Sache ganz hervorragend gemacht. Er ist auf dem Weg, in die Fussstapfen seines Vaters zu treten, hat er doch gerade eine Kochlehre im Gästehaus Klaus Erfort** in Saarbrücken abgeschlossen.
Wir fanden die Küchenleistung alles andere ausser gewöhnlich und haben den Abend sehr genossen.

















































































































































